Martin Geiger: Das Ende von perfekt – warum wir kurz vor knapp, schnell und gut sind - Montagshappen
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Martin Geiger: Das Ende von perfekt – warum wir kurz vor knapp, schnell und gut sind

Wir erledigen Aufgaben oft auf den letzten Drücker und das ist gut so, auch wenn das den Perfektionisten in uns quält und wir uns immer wieder vornehmen, es beim nächsten Mal anders zu machen. Wer sich von perfekt verabschiedet, hat es im Leben leichter und ist dabei auch noch produktiver.

Natürlich gibt es Aufgaben, die hundertprozentig erfüllt werden müssen. Beim Bau einer Brücke zum Beispiel, kann man schlecht abbrechen, wenn erst 80 Prozent der benötigten Spannweite erreicht sind – auch nicht, wenn die geplante Deadline erreicht ist.

Schnell und gut schlägt langsam und perfekt

Wer jedoch bei allem nach Perfektion strebt und dabei immer 100 Prozent erreichen will, wird sich nicht nur unnötigen Stress bereiten, sondern auch unterm Strich viel Zeit und Energie verlieren. Denn bei den meisten Projekten oder sogar Produkten sind 80 Prozent gut genug. So handhabt es beispielsweise Microsoft. Nahezu jedes Microsoft-Produkt wird auf dem Markt eingeführt, lange bevor es ausgereift ist. Dies passiert nicht versehentlich, sondern geplant: Microsoft nutzt die ersten Versionen dazu, die Kunden die Fehler der Software herausfinden zu lassen, deren Suche Microsoft zu viel Zeit kosten würde. Wenn die Kunden Microsoft auf Fehler aufmerksam machen, behebt das Unternehmen sie umgehend. Man fragt sich zwar, wie weit sich Kundentoleranz ausdehnen lässt, aber der Unternehmenserfolg gibt Microsoft bisher recht.

Arbeit dehnt sich grundsätzlich auf den ihr zur Verfügung gestellten Zeitraum aus (Parkinsonsche Gesetz)

Viel Zeit in etwas zu investieren, heißt nämlich nicht gleichzeitig, besser zu sein. Im Gegenteil. Oft verwenden wir für eine Aufgabe genau dann, wenn der Zeitdruck klein ist, viel zu viele Stunden, Tage und manchmal sogar Wochen, um auch den noch so kleinsten Fehler auszumerzen und so perfekt wie möglich abzuliefern. Außerdem droht die Gefahr, durch diesen Anspruch den Wettbewerbsvorteil, den uns Tempo bietet, wieder zu verlieren.

Unter Zeitdruck sind die meisten Menschen dagegen in der Lage, ihre Arbeit in mindestens der Hälfte der Zeit zu erledigen, vollbringen wahre Wunder oder fangen endlich an, Aufgaben sinnvoll zu delegieren. Wenn wir nur immer so in Zeitnot wären…

Hilfreiche Tipps für weniger Perfektionismus

  1. Wenn Druck von außen kommt, empfinden wir ihn als negativen Stress. Im Umkehrschluss bedeutet das: Setzen Sie sich Ihre Deadline selbst. Sie müssen einen konkreten Termin und einen Zeitrahmen benennen., statt schwammig von „ein paar Wochen“ oder „einigen Stunden“ zu sprechen. Je spezifischer Sie sich festlegen, desto größer Ihre Chancen, dass Sie die Aufgabe schnell und innerhalb der Frist erledigen.
  2. Zwingen Sie sich dazu, die Zeit, in der bestimmte Aufgaben fertig zu stellen sind, noch weiter einzugrenzen, um Ihre produktive Zeit zu steigern. Konzentrieren Sie sich, erledigen Sie das wenige, das wirklich entscheidend ist und sehen Sie dann zu, dass Sie von Ihrem Arbeitsort verschwinden.
  3. Keinerlei Ablenkung. Das ist entscheidend während dieser Phase. Keine Statusmeldungen, E-Mails, Telefongespräche, kein Internetsurfen oder Pausieren. Bleiben Sie hochkonzentriert.
  4. Behalten Sie das große Ganze im Auge. Viele Perfektionisten verzetteln sich in Details. Effekt: Das Projekt dauert länger, als es sollte, und die Sache wächst Ihnen schließlich über den Kopf. Detailliebe führt nur zu einem Tunnelblick.
  5. Setzen Sie realistische Erwartungen, denn kein Mensch wird von Ihnen Wunder erwarten. Warum sollten Sie es also selbst tun? Es reicht, dass Sie versuchen, Ihre Sache gut zu machen. Wo immer es Ihnen möglich ist: Geben Sie sich mit 80 Prozent zufrieden.
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