Auszeit Coaching

3 Fragen an Auszeit-Coach Christina Kropp

 

Christina Kropp coacht ihre Kunden dort, wo andere Urlaub machen – in Husum oder an der Costa Brava in Spanien. Aber sie weiß auch um den Wert kleiner, täglicher Auszeiten. Daher haben wir sie befragt, wie wir uns dieses Jahr auch ohne eine große Reise in Urlaubsstimmung versetzen.

Die Sommerferien stehen vor der Tür. Große Reisen sind noch immer kaum planbar. Wie kann man sich auch zu Hause wirklich erholen?

Erst einmal vorneweg: Menschen erholen sich sehr unterschiedlich. Während die einen durch Anspannung Energie tanken, zum Beispiel durch lange Radtouren, brauchen die anderen Ruhe und Zeit, sich auf dem Sofa oder Liegestuhl in ein gutes Buch zu vertiefen.

Allein innerhalb einer Familie oder Partnerschaft können die Bedürfnisse sehr unterschiedlich sein. Wie sagt man so schön: „Wat den eenen sin Uhl, is den annern sin Nachtigall.“ Jeder sollte jetzt für sich selbst schauen, was passend ist, um mit ausreichend Energie durch die Krise zu kommen, aber die Bedürfnisse der anderen dabei auch nicht ignorieren.

Endlich mal zu Hause aufgeschobene Dinge zu erledigen kann sehr befriedigend sein, vor allem für Menschen, die das Bedürfnis nach Ordnung und Struktur haben. Aber selbst ein hohes Ordnungsmotiv ist irgendwann zur Genüge gestillt. Was bleibt also, wenn das Gefrierfach abgetaut ist und selbst alle Kellerregale sortiert sind? Alternative Ideen sollte man schon parat haben. Außerdem muss man aufpassen, dass man mit seinem Aufräum- und Renovierungsdrang dem anderen nicht die eigenen Bedürfnisse aufzwängt. Bis zehn Uhr im Bett liegen und ausgiebig frühstücken oder schon morgens um sieben die Wäsche anstellen und eine Runde laufen, alles eine Frage der persönlichen Präferenz und nicht besser oder schlechter.

Ob am Strand liegen, Wandern oder Städtetrip – wie kann man entsprechende Eindrücke auch zuhause erleben?

Im Urlaub haben wir in der Regel eine eigene Logistik. Die gilt es jetzt zu entschlüsseln: Liegen wir normalerweise „nur“ am Strand und gehen gut essen oder sind wir besonders aktiv, in Gesellschaft oder in inniger Zweisamkeit unterwegs oder geht es uns um neue kulturelle Eindrücke? Machen wir uns das jetzt bewusst, gewinnen wir vielleicht sogar wertvolle Erkenntnisse für die nächste Reiseplanung, vor allem, wenn die Bedürfnisse aller Beteiligten auseinandergehen. Vielleicht hilft es gerade in der Situation, den nächsten Urlaub schon einmal detailreich zu planen und sich auf die ja irgendwann kommende Reise vorzubereiten, ein paar neue Wanderschuhe einzulaufen oder den Bikini im Garten zu testen.

Wichtig ist, sich überhaupt zu erlauben, das Leben zu genießen. Viele Menschen empfinden sich als unverschämt. Auch in der noch andauernden Krise darf man sich freuen oder lachen.

Wenn wir mal ausblenden, was gerade los ist, bedeutet das ja nicht, dass uns andere oder die Welt egal sind. Im Gegenteil – je besser es uns geht, umso mehr können wir auch ein Geschenk für die Welt sein. Ein Nachrichten- und Social-Media-Detox wirkt manchmal Wunder. Im Urlaub haben wir doch auch manchmal keine Tageszeitung und sind froh, dass wir mal was nicht mitbekommen und uns nicht aufgeregt haben.

Haben Sie konkrete Tipps, wie man sich Urlaubsfeeling für eine gelungene Auszeit nach Hause holen kann?

Es geht im Urlaub meist nicht um den Wein, der mitgebracht zuhause gar nicht mehr schmeckt, sondern viel mehr um unser inneres Erleben. Dafür ist es wichtig, alle Sinne anzusprechen und natürlich die innere Einstellung, die ich jederzeit selbst beeinflussen kann, egal wie verrückt die äußeren Umstände sind.

Wir können uns zum Beispiel mit einer teuren Creme und Kerzen ein SPA-Erlebnis in den eigenen vier Wänden schaffen oder uns einen Strandkorb in den Garten stellen, uns verwöhnen mit duftender Sonnencreme und die Wärme mit einem leckeren Eis genießen.

Vielleicht gibt es auch noch etwas auf die Ohren: Melodien mit Alpha-Frequenzen zwischen acht und vierzehn Hertz bringen, ähnlich dem Meeresrauschen, bringen uns in Balance.

Aber Vorsicht: Bevor wir uns sich jetzt alle ein teures E-Bike kaufen oder gar einen Hundewelpen, sollten wir überlegen, ob das wirklich unser Ding ist – auch noch nach der Krise. Ein E-Bike kann man vielleicht wieder verkaufen, bei dem Hundewelpen wird das etwas schwieriger.