Buch schreiben

Du solltest ein Buch schreiben, wenn du etwas zu geben hast, nicht weil du hoffst, etwas zu bekommen

von Mona Schnell

Mona Schnell schreibt Bücher und Texte für Künstler:innen und Expert:innen und in eigenem Namen. Für ihre Kund:innen entwickelt sie Kommunikationsstrategien und setzt sie um, erarbeitet Buchkonzepte und coacht von der Buchidee bis zum fertigen Manuskript.

Mona, warum ist ein Buch ein starkes Kommunikationsinstrument?

Ein Buch – wenn es übersichtlich strukturiert und gut geschrieben wurde – setzt das Statement: »Ich bin Expertin auf diesem Gebiet.« Autor:innen positionieren sich nachhaltig in ihrem jeweiligen Expertenfeld und zeigen: »Ich habe etwas zu sagen. Ich nehme Raum ein.« Im Gegensatz zu den vielen flüchtigen Geschichten, wie wir sie in Social Media Posts, Stories und Videos lesen und sehen können, stehen Bücher für Tiefe und Verlässlichkeit. Sie sind gekommen, um zu bleiben.

Hinzu kommt: Mit der Veröffentlichung eines Buchs verändert sich die öffentliche Wahrnehmung von Expert:innen von dem eigenen Glauben »Ich kann was« zu »Ich werde als  jemand wahrgenommen, der etwas kann«. Autor:innen erhalten Sichtbarkeit bei potenziellen Kund:innen, aber auch bei Journalist:innen, Veranstalter:innen oder anderen Multiplikator:innen. Wer ein Buch geschrieben hat, verstärkt die Glaubwürdigkeit der eigenen Thesen und der Person. Viele geben dir dann einen Vertrauensvorschuss. Nach dem Motto: »Dahinter steckt mehr, wenn es dazu ein Buch gibt.«

Ein interessanter Nebeneffekt: Ein Buch zwingt die Schreiber:innen auch selbst zu Klarheit. Wer veröffentlicht, denkt zu Ende. Und wer das einmal getan hat, tritt auch in Gesprächen anders auf, wirkt fokussierter, mehr auf den Punkt und deutlicher in der Botschaft. Insofern dient ein Buch als Kommunikationsinstrument nach außen. Aber es schärft auch die eigene Positionierung nach innen.

Für wen lohnt es sich wirklich, ein Buch zu schreiben? Und gibt es auch Fälle, in denen du eher davon abrätst?

Ganz generell: Man sollte ein Buch schreiben wollen, weil man etwas zu geben hat – nicht, weil man etwas zu bekommen hofft. Dann ist der richtige Moment da, um Autor:in zu werden.

Es lohnt sich für alle, die wirklich etwas zu sagen haben und die bereit sind, ein so großes Projekt auch durchzuziehen. Das klingt erstmal banal, entscheidet aber häufig über Erfolg oder Misserfolg beim Schreiben. Über Monate an sagen wir mal 250 Buchseiten zu schreiben, kann sich wie ein Marathon anfühlen. Das ist nicht mal eben erledigt. Dazu gehört fundierte Recherche, eine echte Haltung zum Thema und jede Menge Disziplin beim Schreiben. Wer ein Thema durchdrungen hat, wer bereit ist, seine Gedanken zu sortieren, starke Thesen nach außen zu zeigen und nicht nur Buzzwords zu liefern, für den ist ein Buch genau das richtige Format. Besonders lohnt es sich für Menschen, die sich langfristig als Expert:innen positionieren wollen: Berater:innen, Coaches, Forscher:innen, Anwält:innen, Unternehmer:innen, Wissenschaftler:innen. Für diese Berufsgruppen wird ein fundiertes Buch zur Visitenkarte. Es hebt ihre Sichtbarkeit auf ein neues Level und ist oft der Türöffner zu neuen Aufträgen oder Mandaten, weil es zeigt, dass man ein Thema durchdenken, einordnen und unterhaltsam auf den Punkt bringen kann.

Ich rate ab, wenn das Buch nur zum Selbstzweck entsteht, nach dem Motto: Hauptsache mal was Eigenes veröffentlicht. Wenn weder Thema noch Ziel klar sind und der Bezug zur eigenen Arbeit fehlt, wird das Projekt schnell beliebig. Dann drückt das Buch keine Expertise aus, sondern ist nur ein teures Vorzeigeobjekt. Oder wenn jemand erwartet, dass sich das Buch von allein vermarktet oder gar sofort ein Bestseller wird. Bücher sind keine Wundertüten und kein Ersatz für eine fehlende Positionierung im eigenen Business. Wer nicht weiß, wofür er steht, wird es auch auf mehreren Hundert Seiten nicht überzeugend erklären können.

Was unterscheidet ein gutes Expertenbuch von einer reinen Visitenkarte in Buchform? Wie erkennt man Substanz?

Ein gutes Expertenbuch zeigt nicht nur, dass jemand klug ist – es soll Leser:innen klüger machen. Es liefert Inhalt mit Mehrwert: eigene Perspektiven, gelebte Erfahrungen, pointierte Gedanken, die hängen bleiben. Es vermittelt Tiefe und die Lust, Wissen zu teilen – mit dem Ziel, bei Leser:innen etwas in Bewegung zu setzen.

Der größte Unterschied zur reinen Visitenkarte liegt meiner Meinung nach im Anspruch. Ein substanzstarkes Buch glänzt nicht nur bei LinkedIn und landet hinterher im Regal.

Autor:innen guter Bücher tragen mit ihren Inhalten etwas zur Gesellschaft bei. Sie beantworten Fragen, die sich die Zielgruppe tatsächlich stellt und regen auch immer wieder neu zum Nachlesen an.

Gute Autor:innen liefern Erkenntnisgewinn, ohne zu belehren oder vorzukauen. Man merkt das an der Struktur, an der leicht verständlichen Sprache, am roten Faden, der sich durchzieht – und daran, dass man nach dem Lesen nicht nur die Autor:innen besser kennt, sondern auch sich selbst oder das Thema des Buches ein Stück besser versteht.

Buchtipp:
Der Kommunikationshappen
Jana Assauer und Mona Schnell (Hrsg.)
ISBN 978-3-98640-030-9