Frauen und Finanzen

Interview mit Anouk Ellen Susan zum Thema Frauen und Finanzen

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Bei Anouk Ellen Susans letztem Buch “Upgrade Yourself” ging es darum, als Frau souverän und selbstbewusst im Job zu sein. Darin kam das Thema Geld bereits am Rande vor. “From Blondy to Billionaire” betrachtet es nun von allen Seiten.

Anouk Ellen Susan, jetzt haben Sie ein Buch nur über Frauen und Finanzen geschrieben. Warum war es Ihnen wichtig, das Thema weiter zu verfolgen?

Das letzte Buch ist im Februar 2020 erschienen. Also kurz vor dem Lockdown, durch den viele Frauen wieder in alte Rollen gedrängt wurden und durch den die Themen Finanzen und Rücklagen auf einmal ganz neue Brisanz bekamen. Mir wurde sofort klar, dass es für ganz viele am Ende des Jahres schlecht aussehen wird, vor allem für viele Frauen. Schon jetzt verdient jede dritte bis vierte Frau – je nach Studie – nicht genug, um ihre eigene Existenz zu sichern. 44 Prozent der deutschen Frauen geben an, keinerlei Ersparnisse oder Investments zu haben. In Zeiten von Kurzarbeitergeld oder ausfallenden Honoraren gibt es also nichts, worauf sie zurückgreifen könnte. 75 Prozent der verheirateten Frauen zwischen 30 und 50 Jahren droht später die Altersarmut und jede fünfte alleinlebende Frau über 65 muss in Deutschland mit weniger als 900 Euro monatlich auskommen. Diese vier Zahlen, sind für mich Beleg genug, wie extra wichtig die Themen Frauen und Finanzen sind und dass viele sich noch immer nicht genug damit auseinandersetzen. Bei „Upgrade Yourself“ ging es darum selbstbewusst und souverän zu sein und aufzutreten und auch besser zu verhandeln. Aber mehr Geld zu verdienen ist ja nur ein Baustein, wenn es ums Thema Finanzen geht.

Auf jeden Fall, wenn man Milliardärin werden möchte. Der Titel des Buches lautet „From Blondy to Billionaire“. Das ist aber ein bisschen hoch gegriffen oder?

Mag sein, aber genau darum geht es: sich große Ziele zu setzen. Frauen treten eher bescheiden auf und tragen durch ihre Erziehung und unsere Gesellschaft oft beschränkende Glaubenssätze mit sich herum: „Geld verdirbt den Charakter“, „Geld wächst nicht auf Bäumen“ oder „Über Geld spricht man nicht.“ – um nur einige zu nennen. Sie sorgen dafür, dass wir nicht über das Thema sprechen oder meinen, wir müssten uns alles Geld hart verdienen. Das startet schon beim Einstieg in den Job und zieht sich durchs ganze Leben. Nur 7 Prozent der Frauen verhandeln laut der Carnegie Mellon University ihr Gehalt beim Einstellungsgespräch für ihren ersten Job. Bei Männern sind es dagegen 57 Prozent. Was für eine riesen Diskrepanz. Wer wundert sich da noch über einen Gender Pay Gap, wenn es schon direkt beim ersten Job losgeht. Wir sollten unseren eigenen Wert kennen und schätzen und Bescheidenheit, die von Männern meistens auch nicht erwartet wird, ablegen.

Den Niederländer:innen sagt man ja nach, dass sie ein Händchen fürs Verhandeln haben und für einen Penny in der ersten Reihe sitzen – so lautet ein Sprichwort. Ich habe das Glück, dass mir das quasi mit in die Wiege gelegt wurde. Aber es muss auch nicht immer unbedingt mehr Geld sein, auch über einen Firmenwagen oder sekundäre Leistungen wie einen extra Sparplan oder ein Tag weniger arbeiten im Monat kann zur Verhandlung stehen und macht Ressourcen an anderer Stelle frei.

Das heißt wir müssen fordern, was uns zusteht, wenn wir einen guten Job machen und nicht darauf warten, dass uns der Chef schon selbst anspricht oder der Kunde auf die Idee kommt uns plötzlich mehr Geld anzubieten. Daher lieber groß und in Milliarden denken und sich dafür dann aber natürlich auch einen Plan machen, damit wir dem Traum immer näher kommen.

Wie kann das konkret aussehen?

Es gibt eigentlich zwei Varianten, die im besten Fall aufeinander einzahlen: erstens mehr Geld verdienen. Nicht unbedingt nur durch den Job, sondern vielleicht auch ein anderes Businessmodell, durch passives Einkommen oder Investments. Die zweite Variante ist, mehr zu sparen von dem, was wir einnehmen. Dabei machen die meisten einen fatalen Fehler: Sie schauen am Ende des Monats, was übrig ist, um das dann zu sparen. In den meisten Fällen ist dann nichts übrig. Daher gilt es, sich am Monatsanfang zu überlegen: Wie viel möchte ich denn sparen? Und sich auch klar zu machen, wofür will ich denn eigentlich sparen und meine finanziellen Ziele erreichen. Vielleicht für finanzielle Unabhängigkeit und einen früheren Renteneinstieg, ein eigenes Haus oder eine Weltreise. Sie werden merken, alles, was direkt weggeht, vermissen wir nicht und lernen mit dem zu leben, was da ist. Was die Sparquote angeht, sollten wir uns allerdings realistische Ziele setzen. Aber so klein die Summe auch ist, wer früh anfängt, hat trotzdem eine enorme Hebelwirkung. Um drei Fragen geht es im Prinzip beim Sparen:

Wofür?

Wieviel?

Wo lege ich das Geld an?

Denn nur auf dem Sparkonto bringt und das Geld keine Zinsen. Das macht über einen längeren Zeitraum hinweg auch einen riesen Unterschied.

Haben Sie noch einen Tipp für Menschen, die sich mit dem Sparen schon ihr Leben lang schwertun?

Eins meiner Lieblingsmottos lautet: „Alleine bist du schneller, gemeinsam kommst du weiter“. Das Beste ist daher auch hier, sich Hilfestellung zu holen, mit Freund:innen über das Thema zu sprechen. Es gibt außerdem in den Sozialen Medien unter dem Hashtag Communities unter #nospendday, die sich gegenseitig challengen, an einzelnen Tagen oder sogar an bis zu 16 Tagen im Monat nichts auszugeben.

Und sonst hilft vor allem, sich einen Überblick zu verschaffen und ihn zu behalten, das heißt, dass wir Buch darüber führen, was wir ausgeben, und am besten wieder anzufangen, bar zu bezahlen, auch wenn das in Zeiten von Corona etwas verpönt ist. Es hilft, den Überblick zu behalten und sorgt bewiesenermaßen dafür, dass wir sparsamer mit dem Geld umgehen.

Haben Sie auch noch einen Profi-Tipp für Frauen, die eigentlich schon ganz gut aufgestellt sind?

Ja, das findet sich auch im Buch. Wer sich bereits einen guten Überblick verschafft hat, geht am besten hin und macht sich schon zu Beginn des Jahres eine Budgetierung. Ich mache das schon seit Jahren. Und wenn dann so eine Pandemie um die Ecke kommt, weiß ich auch gleich, bei welchem Posten ich am besten einsparen kann, weil ich genau weiß, wieviel ich schon seit Jahren für Dinge ausgebe, auf die ich eigentlich doch verzichten könnte: Es sind – typisch Frau könnte man(n) jetzt sagen: Klamotten.