Innere Sicherheit für Veränderungen

Innere Sicherheit für Veränderungen

von Tanja Gatzke

Gerade zum Jahreswechsel nehmen wir uns häufig bewusst vor, etwas zu verändern.
Unser Unterbewusstsein macht uns das allerdings schwer. Es beherrscht unser Innenleben
und bestimmt somit auch unser Verhalten. Jeder, der irgendeine Veränderung angehen will,
tut daher gut daran, eine Taschenlampe zur Hand zu nehmen und seine „innere Wohnung“
einmal genau zu beleuchten. Häufig ist sie mit Möbeln eingerichtet, die wir nicht selbst
ausgesucht haben und mit Menschen bevölkert, die uns im Leben eher zufällig begegnet
sind.
 

Einen inneren Polizisten aufstellen

Wenn Sie Ihr Leben selbst in die Hand nehmen möchten, sollten Sie bewusster damit
umgehen, was und wen Sie reinlassen. Denn Ihr Zuhause ist Ihr Rückzugsort. Ist er nach
Ihren Bedürfnissen gestaltet, kann es außen noch so chaotisch sein. Es rüttelt vielleicht
manchmal ein bisschen an Ihrer Tür, aber kein „Erdbeben“ kann Ihr Inneres erschüttern. Um
diese Stabilität zu erreichen, rate ich Ihnen, einen inneren Polizisten aufzustellen, der mit
seiner Kelle all jene aus dem Verkehr zieht, die Ihre „innere Wohnung“ nur unnötig auf den
Kopf stellen wollen. Denn wer sich nicht rechtzeitig abgrenzt, riskiert Burnout, Depressionen
& Co.
 
Als Therapeutin begegne ich oft sehr intelligenten Menschen, die jedoch große
Schwierigkeiten damit haben, auch einmal Nein zu sagen. Die Folge: Sie vermeiden
Sozialkontakte am liebsten von vornherein, um gar nicht erst in die Bredouille zu geraten.
Dadurch wird man am Ende allerdings sehr einsam.
 
Klar möchten wir andere Menschen gerne unterstützen, die uns um Hilfe bitten. Das ist ein
natürlicher Impuls. Ich empfehle, sich an das Pareto-Prinzip zu halten, denn natürlich spricht
nichts dagegen, dass Sie für andere einmal zurückstecken. Sie sollten aber zu 80 Prozent ja
zu sich selbst und nur zu 20 Prozent ja zu anderen sagen. Klingt egoistisch? Ist es aber nicht.
Denn Sie können anderen nur helfen, wenn es Ihnen selbst gut geht. Fangen Sie daher bei
sich selbst an.
 

Die persönliche Sicherheitskette

Suchen Sie sich außerdem eine Gemeinschaft, bei der die Hilfe nicht einseitig geleistet wird,
sondern die sich gegenseitig unterstützt. Eine solche Community kann uns unseren Zielen
viel schneller näherbringen. Eine Jammergesellschaft hingegen hält uns davon ab, vorwärts
zu kommen. Als ich noch als Streifenpolizistin gearbeitet habe, gehörte ich zu einer
Hundertschaft. Wenn wir in Einsätzen eine Polizeikette bildeten, war diese nur so stark, wie
ihr schwächstes Glied. Je stabiler dieses Glied war, desto besser hielt die Kette. Achten Sie
also darauf, wenn Sie sich eine eigene Sicherheitskette schaffen, dass jedes Glied von innen
Stärke erfährt. Dann schaffen Sie eine Gemeinschaft, in der jeder jedem Hilfe zur Selbsthilfe
gewähren kann. Sie könnten zum Beispiel eine Mastermind-Gruppe gründen, die sich einmal
im Monat zum Gedankenaustausch in Sachen Veränderung trifft. Das kann in lockerer Runde
​bei einem Kaffee sein. Treffen sind aber auch via Zoom oder über andere Plattformen
möglich. Besteht die Gruppe aus maximal acht Personen, kommt jeder zum Zug und kann
kurz erzählen, an welchem Punkt er steht und welchen Schritt er verbindlich als nächstes
geht.
 
Manchen fällt es leichter, zu ihren Problemen zu stehen und sie offen anzusprechen, wenn
eine solche Gruppe aus zunächst unbekannten Menschen besteht. Denn gerade Bekannte
und Freunde neigen, aus Sorge um Sie, schnell zu Bewertung. Bedenken zu äußern hingegen
ist stets willkommen. Denn die zwingen Sie dazu, Pläne unemotional zu überdenken, Risiken
abzuschätzen und erst weiterzugehen, wenn Sie diese wirklich bewusst in Kauf nehmen
wollen. Vielleicht haben Sie auch Glück, und jemand kennt eine Abkürzung zu Ihrem Ziel.
Manchmal hilft es sogar, in Facebook- oder Linkedin-Gruppen oder anderen Communitys um
Rat zu fragen und deren Schwarmintelligenz zu nutzen. Sie werden sich wundern, wie gerne
die meisten Menschen, wenn man sie anspricht, hilfsbereit sind und gute Tipps geben.
 

Veränderungen in kleinen Schritten

Steht Ihr innere Polizist verlässlich und haben Sie Ihre persönliche Sicherheitskette gebildet,
sind Sie reif für eine eigene Gesetzgebung. Dann kontrollieren Sie Ihr Verhalten selbst,
verfügen über die so wichtige innere Sicherheit, um jede Veränderung anzugehen.
Dazu formulieren Sie zum Beispiel zehn Ziele und Wünsche für die nächsten zwölf Monate.
Einzige Voraussetzung: Die müssen messbar sein und von Ihnen selbst abhängen. Halten Sie
ab sofort die Augen offen für günstige Gelegenheiten und überlegen Sie sich konkrete
Schritte, die Sie zu Ihren Zielen führen. Halten Sie diese Schritte dabei homöopathisch klein.
Dann kommen Sie sicher voran. Vielleicht haben Sie am Ende, wenn es schlecht lief, nur
wenige Teilziele erreicht. Aber wie weit wären Sie gekommen, wenn Sie die Zwischenziele zu
hoch gesteckt hätten? Vielleicht hätten Sie ohne regelmäßige Erfolgserlebnisse auf dem
Weg, Ihre Reise schon frühzeitig abgebrochen.
 

Andere auf dem Weg mitnehmen

Wenn Sie sich plötzlich verändern, kann es sein, dass andere Menschen es mit der Angst
bekommen und gegen Sie schießen. Vielleicht hat Ihr Partner Panik, Sie zu verlieren, wenn
Sie neue Seiten an sich entdecken. Dem können Sie vorbeugen, wenn Sie die Menschen, die
Ihnen wichtig sind, in Ihren Prozess mit einbeziehen. Dann sorgen Sie gleichzeitig nicht nur
für Ihre Sicherheit, sondern verschaffen auch anderen ein sicheres Gefühl. Sprechen Sie in
dieser Zeit auch viel darüber, warum Sie etwas anders machen als bisher. Das hilft Ihrem
Umfeld, Ihre Veränderungsschritte stets nachzuvollziehen, egal ob sie groß oder klein sind.