Lutz Herkenrath: Eine Rede wirkt nur, wenn Sie MIT Ihrem Publikum sprechen - Montagshappen
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Lutz Herkenrath: Eine Rede wirkt nur, wenn Sie MIT Ihrem Publikum sprechen

Mitteilung kommt von miteinander teilen – Wollen Sie souverän sprechen und die eigene Wirkungsmacht maximieren – sollten Sie sich bei der nächsten Präsentation oder einer anstehenden Rede zu Herzen nehmen, dass ein Vortrag immer ein Dialog ist, ein Gespräch von Anfang an, auch wenn scheinbar nur einer redet. In Wirklichkeit „antworten“ Publikum und Zuhörer permanent. Die Frage ist nur: Sind Sie bereit, die Signale aufzunehmen und Ihren Vortrag an ihnen auszurichten?

Ein wirkungsvoller Anfang

Das Gespräch beginnt schon bevor das erste Wort gefallen ist. Schon der Anfang eines Vortrags kann eine echte Herausforderung sein: Wie beginne ich einen Dialog mit dem Publikum, wenn sich alle unterhalten, allerdings untereinander und nicht mit mir? Ich brauche als erstes die volle Aufmerksamkeit. Einfach mit dem Programm beginnen, in der Hoffnung, dass die Leute schon irgendwann zuhören werden, ist keine gute Taktik. Damit sind die ersten drei Minuten auf jeden Fall schon mal „verbrannt“, weil die Hälfte des Publikums sie nicht gehört hat.

Mit einem überraschenden Einstieg mit einer persönlichen Geschichte oder einer kreativen Aktion können Sie die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sie können singen, ein Streichholz anzünden, einen Luftballon zum Platzen bringen… Alles ist erlaubt, solange Ihr Einstieg eine Sichtweise einbringt, die unerwartet kommt, aber eine inhaltliche Brücke zu Ihrem Thema schlägt, die Ihre Zielgruppe „abholt“. Bei einem sehr unruhigen Publikum kann aber auch diese Aktion verpuffen.

Schweigen ist schwer, lohnt sich aber

In solchen Fällen, stelle ich mich einfach nur hin und sage nichts, bis relative Ruhe einkehrt. Ich versuche, nicht grimmig zu schauen, sondern freundlich und konzentriert meine Gesprächspartner wahrzunehmen. Es kann bis zu 15 Sekunden dauern, bis genügend Aufmerksamkeit im Raum ist. 15 Sekunden sind lang auf der Bühne. Der „Schweigetrick“ erfordert also ein bisschen Furchtlosigkeit. Was helfen kann ist die Vorstellung, dass Sie noch einen ganzen Chor mitgebracht haben und erst warten müssen, bis sich dieser gesamte Chor hinter ihnen geordnet aufgestellt hat.

Haben Sie die volle Aufmerksamkeit und freie Bahn zu wirken, halten Sie den Dialog mit diesen 3 Tipps aufrecht:

  1. Atmen und Pausen machen

Wie die Stille am Anfang sind auch für viele die Pausen während des Redeflusses eine Herausforderung. Aber wussten Sie: Wenn wir jemandem zuhören, sind wir automatisch mit seinem Atemrhythmus verbunden. Die Verbindung beginnt ab dem Moment, an dem wir unsere Aufmerksamkeit auf den Anderen richten. Wer ohne Punkt und Komma spricht, verweigert nicht nur sich das Atmen, sondern auch seinem Publikum.

Die Pausen brauchen Sie aber nicht nur zum Atmen. Sie sind gleichzeitig Gelegenheiten, bei denen die Zuhörer nachdenken und das Gesagte gedanklich verarbeiten können. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt? Ich mache gerne vor den sogenannten Big Points, den Kernaussagen meines Vortrages, eine Kunstpause, möglichst mitten im Satz vor der entscheidenden Stelle. Damit lenke ich bewusst die Aufmerksamkeit meiner Zuhörer auf die entscheidende Botschaft. Im Bühnenjargon heißen diese Redestopps deshalb „Wirkungspausen“. Richtig angewandt, können sie die Aussagekraft eines Vortrags um ein Vielfaches erhöhen. In diesen Atempausen müssen Sie dann aber auch tatsächlich atmen, sonst nützt die Pause weder Ihnen noch Ihrem Publikum etwas.

Den Chor haben Sie sich ja schon zu Beginn vorgestellt.  Nach jedem wichtigen Satz, imaginieren Sie den Einsatz des Chores, der aus einem einzigen Wort besteht: „Halleluja!“ Auch dieses Wort müssen Sie „durchlassen“, das heißt, Sie machen in der Zeit, in der das Wort fällt, eine Pause und sprechen erst im Anschluss wieder.

  1. Nehmen Sie jede vermeintliche Störung als Impuls auf

Jeder Versuch, etwas zu ignorieren, was augenscheinlich da ist, ist letztlich auch ein Unterschätzen Ihrer Zuhörer. Denn nur, weil Sie einen Zwischenfall nicht zur Kenntnis nehmen, ist er ja nicht unsichtbar für das Publikum. Spätestens bei Zwischenrufen wird die Dialog-Struktur offensichtlich: Ihre Bemerkungen haben eine Entgegnung oder Erwiderung provoziert. Eigentlich kann Ihnen nichts Besseres passieren. Darauf müssen Sie antworten. Floskeln wie „Dazu komme ich später noch“ sind tabu. Ihr Gegenüber hat jetzt eine Frage, beantworten Sie sie nach Möglichkeit sofort; Sie befinden sich ja im Gespräch. Haken Sie am besten sogar noch nach: „Ist damit Ihre Frage beantwortet?“ Beantworte ich die Frage erst 30 Minuten später, ist das Interesse vielleicht erloschen. Und Sie haben eine gute Möglichkeit verpasst, Ihre Zuhörer da abzuholen, wo sie gerade sind.

  1. Betrachten Sie beim Vortrag die Körpersignale des Publikums

Greifen Sie in Ihrem Vortag auf Feststellungen aus der Lebenswirklichkeit Ihres Publikums zurück. Zum Beispiel: „Erinnern Sie sich noch, was die Lehrer bei einer Klassenarbeit angestrichen haben? Die Fehler!“ Sie werden sehen: Alle nicken.

Die meisten Reaktionen auf Ihre Rede sind nonverbal: Wie sitzt Ihr Publikum da? Wie schaut es? Teilnahmslos? Interessiert? Müde? Fasziniert? Gelangweilt? Gebannt? Sinkt das Aufmerksamkeitslevel Ihrer Zuhörer, sollten Sie einen im Schauspiel sogenannten „Registerwechsel“ vornehmen. Sind Sie schnell gewesen, sprechen Sie jetzt langsamer. Waren Sie leise, werden Sie jetzt laut und umgekehrt. So können Sie die Spannung bis zum Schluss halten.

 

 

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