3 Fragen an Mariana Kriebel über Freiwilligendienste im In- und Ausland - Montagshappen
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3 Fragen an Mariana Kriebel über Freiwilligendienste im In- und Ausland

Mariana Kriebel ist pädagogische Referentin bei Internationale Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) und dort unter anderem Koordinatorin für das Weltwärts-Programm für Afrika. Das neue Programm sollte eigentlich bald starten. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, welche Möglichkeiten es gerade für Jugendliche gibt, die gerne ins Ausland wollen und was man beachten sollte.

Erst einmal vorneweg: Wie hat Sie die Krise beeinflusst und wie gehen Sie mit der aktuellen Situation und der Unsicherheit in Bezug auf die Aus- und Einreisebeschränkungen um?

Zu Beginn der Krise haben wir erst einmal so schnell wie möglich alle Freiwillen aus dem Ausland zurückgeholt. 54 waren noch unterwegs. Das hat sehr gut funktioniert. Wir arbeiten mit einem super Berliner Reisebüro zusammen. Einige wurden aber auch mit dem Rückholprogramm der Bundesregierung zurückgeholt, worüber wir froh waren, da die Kommunikation hier sehr gut funktioniert hat. Die Rückreise ist in diesen Fällen gut gelaufen. Die Rückreisen haben uns aber auch um viele schlaflose Nächte gebracht, da wir mit Freiwilligen in Ecuador und Mexiko genauso sprechen mussten, wie mit denjenigen in den Philippinen. Das waren also viele Zeitzonen, die hier abgedeckt werden mussten. Die abrupte Rückholaktion war für viele natürlich ein plötzliches Ende, was wir zusätzlich pädagogisch begleiten. Die Begleitung der Jugendlichen geht jetzt von unserer Seite weiter, anstelle der Partnerorganisationen vor Ort. Das geschieht jetzt gerade alles vor allem online mit verschiedenen Themenschwerpunkten, aber natürlich auch zu den Fragen, wie geht es den Gastfamilien und Freunden aktuell.

Das neue Programm würde normalerweise am ersten September starten. Vermutlich startet es dieses Jahr erst zum ersten Oktober. Wir haben die Bewerbungsfrist verlängert bis Ende Juli. Wie so viele können wir gerade wenig für die Zukunft planen, aber wir sind über unseren Dachverband im engen Austausch mit dem BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). Wir hoffen, dass wir in dieser schwierigen Zeit weiter unterstützt werden und auch in Zukunft unsere Arbeit sichergestellt wird. Einige Länder in Afrika haben sehr früh Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Es muss sich aber noch zeigen, ob sich die Strategie der Ebola erprobten Länder auszahlt. Natürlich entsenden wir niemanden in ein Land, das nicht offiziell reisesicher ist, aber wir hoffen, dass unser Programm weiter bestehen bleibt, vor allem auch für unsere Partner im Ausland, die super Arbeit machen, und die ganze Infrastruktur, die damit zusammenhängt.

Warum ist das Programm wichtig?

In unseren Programmen kommen Menschen aus der ganzen Welt zusammen. Die persönlichen Begegnungen sind wichtig, ist es doch unser Ziel, Vorurteile und Barrieren zwischen Angehörigen verschiedener Nationen, sozialer Schichten, Religionen und Weltanschauungen abzubauen.

Der Freiwilligendienst wird oft kritisiert als „White Saviorism“. Und manchmal ist auch die erste Erwartungshaltung der Jugendlichen: „Ich möchte nach Afrika oder in den globalen Süden, um zu helfen.“ Das fangen wir aber sehr gut auf mit dem intensiven Vorbereitungsprogramm, in dem wir die Rolle der Freiwilligen noch einmal klar besprechen. Nicht die Freiwilligen sind die Experten, sondern sie lernen von den Experten vor Ort und assistieren ihnen. Die meisten machen so ein Programm nach der Schule, trotzdem bringen sie schon einige Vorerfahrungen mit. Wir haben soziale, ökologische und medizinische Programme. Gerade für letztere ist eine Sensibilisierung und gewisse Grunderfahrung wichtig, aber auch in den anderen Bereichen haben sich die meisten Jugendlichen bereits engagiert bei Fridays for Future, in Form von Nachhilfe oder in ihren Gemeinden.

Die Anti-Rassismus-Arbeit und das Thema Chancengleichheit nehmen wir sehr ernst. Sie sind ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit. Das heißt, wir sprechen auch bewusst die diverse Gesellschaft an, aber auch PoCs haben eine Vorgeschichte, die sie mitnehmen. Das kenne ich aus eigener Erfahrung, da ich mich selbst während meines Studiums in Tansania in einem Projekt engagiert habe. Mit meiner Rolle als Schwarze Deutsche hatte ich mich zuvor nicht auseinandergesetzt und es fiel mir schwer, nun als weiße Deutsche gelesen zu werden. Das haben wir in der Vorbereitung im Blick und bieten pädagogische Angebote und Safe Spaces, aber auch Empowerment-Räume von unserer Seite aus an.

Außerdem gibt es seit 2014 auch ein Süd-Nord-Programm, denn es soll um kulturellen Austausch gehen. Daher kommen seitdem auch Freiwillige nach Berlin, die sich hier in Projekten engagieren. Momentan sind es 40 Freiwillige. Sie konnten zum Glück auch während der Krise bleiben. Sie sind eine große Bereicherung für die Kindergärten, Jugend- und Pflegeeinrichtungen, in denen sie sich engagieren.

Die Bewerbungsfrist ist verlängert, der Start unsicher. Bleibt da auch dieses Jahr genug Zeit für die entsprechende Vorbereitung und gibt es sonst Alternativen?

Wir stecken schon mitten in den Vorbereitungen. Es sind diesmal nicht die intensiven zehn Tage am Stück, sondern eher Webinare, offene Sprechstunden und dann findet noch einmal ein langes Wochenende statt. Wir hatten aber auch das Glück noch ein Vorbereitungsseminar in Präsenz für Anfang September organisieren zu können. Das ist für alle wichtig, die sich noch für einen Auslandsdienst entscheiden möchten. Aber es ist natürlich wichtig zu erwähnen, dass sich ein längerer Auslandsaufenthalt nicht in zwei Wochen planen lässt. Man braucht entsprechende Impfungen, ein Visum, ggf. einen Test auf Tropentauglichkeit. Deshalb laufen die ganzen Vorbereitungen mit dem gesunden Optimismus, dass das Programm ab Anfang Oktober anlaufen kann und wir gegen Ende des Jahres wieder Jugendliche entsenden können. Das wünschen wir uns auch für unsere Partnerorganisationen vor Ort. Neben dem zwölfmonatigen Weltwärts-Programm gibt es aber auch kürzere Programme von zwei bis sechs Monaten. Dieser Kurzzeit-Dienst ist aber nicht mit den klassischen Voluntourism-Angeboten zu vergleichen. Bei uns ist auch hier Seminare zur Vorbereitung obligatorisch, wir treffen eine gemeinsame Projektauswahl und bieten den Jugendlichen im Vergleich zu vielen kommerziellen Anbietern auch noch Eine Nachbereitung an. Interessierte können sich hier informieren.

 

 

 

 

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