Internationaler Tag des Kusses

5 Fragen über Soziale Medien an Expertin Tina Schindler

 

Tina Schindler ist unsere Social Media Expertin bei den #Montagshappen. Da die Bedeutung der Sozialen Netzwerke immer mehr steigt und der Umgang mit ihnen viele Rätsel aufgibt, haben wir ihr fünf Fragen über Wirkung, Reichweiten, Dos und Don’ts im Allgemeinen aber auch im Speziellen in Zeiten von Corona und Rassenunruhen in den USA gestellt.

  1. Tina, du hast dich in deiner Selbstständigkeit auf Soziale Medien spezialisiert. Warum?

Als ich selbst das erste Mal mit der Macht der Sozialen Netzwerke in Berührung kam, wurde mir recht schnell bewusst, welche enorme Kraft in ihnen schlummert – und das nicht nur im Hinblick auf den privaten Nutzen, der sicherlich für jeden von uns wieder völlig anders aussieht, sondern auch und vor allem für Unternehmer*innen. Social Media haben ein enormes Potential im Hinblick auf Markenbildung und -formung, Vertrauensbildung und den Zugang zu diversen Zielgruppen – unabhängig davon, ob wir aus einer Sales- oder einer Recruiting-Perspektive auf diese Medien blicken: Die Gestaltungsfelder sind fast grenzenlos. Und das bringt mich auch schon zu meinem ureigentlichen „Warum“: Zu sehen, wie viele – vor allem Solounternehmer*innen mit dem Bedienen unserer heutigen zersplitterten Kommunikationsumgebung kämpfen, brachte mich schließlich dazu, den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen. Ich möchte mit meinem Tun anderen wieder etwas mehr „Luft zum Atmen“ verschaffen. Denn Social Media unternehmerisch zu nutzen ist zwar clever – da sind wir uns alle schon eine ganze Weile einig – es kostet aber vor allem eines: unglaublich viel Zeit – und das leider auch, wenn man den Workflow bereits straff gestaltet. Diese Zeit und diese Nerven wieder in die eigentliche Dienstleitung/ das eigentliche Produkt stecken zu können, ohne ständig das nutzbringende Bespielen der ganz sicher langfristig erfolgssichernden Social-Media-Kanäle im Nacken zu haben – darum geht es doch.

  1. Hast du ein Lieblingsnetzwerk?

Da ich selbst ein sehr visueller Mensch bin und ich mich für Design, Interior, Mode und alles, was im Entferntesten mit Gestaltung zu tun hat, begeistere, ist es wohl kein Wunder, dass Instagram für mich von Anfang an die spannendste Plattform war und nach wie vor ist. Aber: es geht natürlich im unternehmerischen Umfeld nicht darum, woran wir Dienstleister den meisten Spaß haben, sondern, was der Zielgruppe schmeckt – und was für ein bestimmtes Businessmodell am meisten Sinn ergibt. Das kann auch für den einen TikTok, für den anderen das schon oft in gewissen Kreisen als „tot“ titulierte Facebook sein. Denn das ist je nach Zielstellung ganz sicher nicht tot, sondern unter Umständen genau der richtige Kanal.

  1. Hat sich durch die Krise etwas verändert in den Sozialen Medien?

Weil wir unsere Liebsten, soweit wir nicht im gleichen Haushalt wohnen, eine ganze lange Weile nicht sehen konnten, haben viele von uns gespürt, wie schön es ist, trotz der schlimmen Lage, in der wir uns alle befanden, kommunizieren zu können – sei es über WhatsApp (auch das gilt als soziales Netzwerk), Facebook, Instagram oder TikTok. Wir konnten vor allem auf letzterem in der Krise eine gute Zeit zusammen haben, gemeinsam lachen und uns austauschen. Ich glaube, dass wir alle näher zusammengerückt sind, auch wenn wir nicht physisch nebeneinandersitzen konnten. Ich habe den Eindruck, viele von uns sind vielen Dingen gegenüber etwas positiver gestimmt als vor der Krise und nutzen gerade Social Media wieder mehr für als gegen sich, nutzen die Kanäle achtsamer und bewusster.

  1. Neben Corona befindet sich die USA gerade in einer weiteren Krise. Die Plattformen sind global. Viele posten unter dem Hashtag #blackouttuesday schwarze Bilder. Welchen Einfluss haben solche Entwicklungen? Worauf muss man in solchen besonderen Zeiten achten?

Der #blackouttuesday hat mir einmal mehr gezeigt, wie wichtig Social Media für unser Lernen und die Konfrontation mit Themen ist, die zwar globaler Natur sind, die wir aber in eine bestimmte Ecke verbannt haben. Durch die schnelle Verteilung ungeschönter – realer – Informationen, die auch uns hier in Deutschland erreichten, mussten sich viele von uns mit einer unbequemen Wahrheit auseinandersetzen. Für mich zeigen sich die sozialen Netzwerke hier von einer sehr positiven Seite, da gerade BIPoC unter den aktuellen Gegebenheiten ausschließlich diese Chance haben, ihr Leiden und ihre Wahrheit unverzerrt und ungefiltert ausdrücken zu können.

Allerdings beobachten wir leider gerade, dass Unternehmen und Influencer diese Krise(n) instrumentalisieren, um ihre eigene Reichweite zu erhöhen – oder um „einfach mal Flagge zu zeigen“. So geschah es, dass die unter dem Hashtag #blacklivesmatter zusammengefassten, hilfreichen Ressourcen und Informationen für diejenigen, die aktuell in den USA auf die Straßen gehen und sich gegen Polizeigewalt durchsetzen müssen, durch die falsche Verwendung von Hashtags am #blackouttuesday komplett überschwemmt wurden. Sie gingen in der Flut von fast 30 Millionen Beiträgen zum Thema unter. So haben viele von uns leider, wenn auch unbeabsichtigt, dazu beigetragen, dass die Situation eher schlimmer als besser wurde.

Wir dürfen lernen, dass wir, obwohl Social Media von uns eine gewisse Schnelligkeit und Reaktionsfähigkeit „erwartet“ und wir uns als Unternehmer*in grundsätzlich sehr wohl auch zu politischen Themen positionieren dürfen. Aber dabei sollten wir nicht vergessen, uns zuerst umfänglich zu informieren, bevor wir etwas posten. Dass wir nicht einfach nur „blind“ an etwas teilhaben sollten, weil es gerade „en vogue“ ist und somit gesellschaftspolitische Themen als Trittbrett für die Erhöhung der eigenen Sichtbarkeit genutzt werden.

Sie würden sich ja auch nicht einfach mal auf die Bühne stellen und einen Vortrag zu einem Thema halten, mit dem Sie vorher noch nie Berührungspunkte hatten, oder? Das wäre ziemlich unauthentisch und würde von Ihren Zuhörern wohl genauso wenig honoriert werden, wie ein unreflektierter, schnell gemachter Post auf Instagram.

  1. Wie kann man gerade in Zeiten physischer Distanz über Soziale Medien Nähe zu seiner Community und potenziellen Kunden schaffen?

Viele haben es vorgemacht und waren clever: Sie posteten DIY-Anleitungen, Wissenswertes und Informationen, die zunächst erst einmal nichts mit Sales zu tun hatten. Denn genau darum geht es in den Sozialen Medien: Zuerst investiere ich, gebe Wissen preis, lasse teilhaben an Entwicklungen, öffne mich. Auf diese Weise schaffe ich Nähe und Vertrauen. Denn ich habe zunächst nicht den Verkauf im Fokus, sondern meine Crowd, die ich mit meinen Inhalten inspiriere. Denen ich etwas gebe, was ihnen gerade jetzt in der Krise hilft, sie entertaint, den Tag vielleicht nicht so unendlich lang, langweilig und schwer erscheinen lässt. Und kann dann aber mit ziemlich hoher Sicherheit davon ausgehen, dass sich dieses Investment noch in oder spätestens nach der Krise für mich auszahlen wird. Wenn Sie bedenken, dass Sie es (allen automatisierten Bots zum Trotz) immer noch mit Menschen zu tun haben, können Sie eigentlich nur gewinnen.