Uwe Rühl: Unternehmerische Resilienz in Zeiten der Krise - Montagshappen
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Uwe Rühl: Unternehmerische Resilienz in Zeiten der Krise

In diesem Jahrtausend gab es kaum eine größere Krise als den 9. September 2001, als Flugzeuge in New York in die Zwillingstürme des World Trade Centers krachten. Die Morgan Stanley Bank zählte mit 2.700 Mitarbeitern vor Ort zu den größten Mietern im Südturm. Glücklicherweise konnten bis auf sieben Menschen alle evakuiert werden. Schon am nächsten Tag nahm Morgan Stanley sein Business wieder auf. Der Toten wurde gedacht und die Stimmung war am Nullpunkt, aber der Betrieb konnte und musste weitergehen.

Beim am 25. September eingereichten Insolvenzantrag des Reiseveranstalters Thomas Cook starben glücklicherweise keine Menschen. Dafür wurde aber vielen die Lebensgrundlage von heute auf morgen entzogen und zahlreiche Touristen sitzen noch an ihren Urlaubszielen fest oder können die gebuchte und bezahlte Reise erst gar nicht antreten.

Vorbereitung ist die beste Strategie

Was hat Morgan Stanley besser gemacht als Thomas Cook? Die Vorbereitung! Die Mitarbeiter waren auf einen Ernstfall trainiert und das Unternehmen somit resilient. Nachdem es einige Jahre zuvor bereits einen versuchten Anschlag gab, reagierte das Management und ließ über die folgenden Jahre einen Bereitschafts- und Aktionsplan entwickeln, der auf konkrete Feuerübungen und einen echten Evakuierungsdrill mit viel Praxis setzte. Außerdem gab es drei Notfallstandorte, von denen aus von nun an gearbeitet werden konnte.

Keiner ist „too big to fail“

Es ist zu beweifeln, dass Thomas Cook auch so vorbereitet war; insbesondere was das „MindSet“ angeht. Stattdessen setzte man wahrscheinlich auf eine gefühlte Garantie, dass man „too big too fail“ sei. Schließlich lässt man alteingesessene Unternehmen nicht einfach so pleite gehen. Man hat versucht, bis in letzter Minute noch Investoren an Bord zu bekommen. Das sind aber nur Akte der Verzweiflung. Jim Colins hat darüber in „How the mighty fall“ schon ausreichend geschrieben und Indikatoren genannt, die eine solche Abwärtsspirale kennzeichnen.

Zu träge, um zu handeln

Mit Sicherheit wurden Signale am Markt zu lange übersehen oder falsch interpretiert, obwohl sie zu drastischen Änderungen führten. Pauschalreisen zum Beispiel sind heute eher „out“, individuelles Buchen ist „in“. Auch der demographische Wandel und ein verändertes Reiseverhalten zu Gunsten des Klimaschutzes wurden wohl unterschätzt. Als man die Signale erkannte, war es bereits zu spät. Die regionalen Abhängigkeiten waren zu hoch, es fehlte die Anpassungsfähigkeit an neue Marktgegebenheiten und damit die Flexibilität im Handeln. Kurzum, der Konzern war zu träge und zu schlecht vorbereitet, um das Ruder noch herumzureißen.

Dabei ist die Thomas Cook Insolvenz nicht die erste Pleite eines Tourismusunternehmens: Air Berlin und Niki, JT Touristik, Small Planet und einige weitere hatte es bereits in den Jahren zuvor erwischt. Man kann also nicht behaupten, dass man keine Vorbereitungen hätte treffen können.

Erfahrung ist der beste Lehrmeister

Im Ernstfall kommt es darauf an, mit viel Kraft und Flexibilität gut trainierte Muskeln spielen lassen zu können. Der „Unternehmenskörper“ muss schon im Vorfeld gegen mögliche Risiken geimpft werden, um eine Immunisierung gegen Krisen in die Wege zu leiten. Nur so werden Unternehmen resilient und können unter Druck nicht nur überleben, sondern sogar wachsen.

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