3 Fragen an Carolin Schmidt über die Arbeit in einem Kollektiv - Montagshappen
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3 Fragen an Carolin Schmidt über die Arbeit in einem Kollektiv

Carolin Schmidt ist unser neuestes und tatsächlich auch jüngstes Teammitglied. Mit Experten hat sich die Literaturwissenschaftlerin allerdings bereits während des Studiums im Rahmen des Buchprojektes „Auf dem Markt der Experten“ beschäftigt. Aber das ist natürlich nur einer der Gründe, warum sie eine echte Bereicherung für unser gemeinschaftliches Projekt ist. Eine Kurzvorstellung in drei Fragen:

Neben unserem gemeinsamen Projekt bist du noch Teil eines Kollektivs mit dem Namen „kaboom“. Warum bezeichnet ihr euch als Kollektiv? Was steckt dahinter?

Die Idee hinter dem Kollektiv ist der gemeinschaftliche Gedanke. Alles fing mit einem Ausstellungsprojekt mit der Szenografin Margaret Schlenkrich an – wir haben gemerkt, dass wir gut zusammen arbeiten und denken können und dass wir Lust auf weitere Projekte haben. Der Kollektiv-Gedanke ist ja der, dass man gemeinsam ein Thema bearbeitet – so sind bei jedem Projekt andere Autor*innen, Künstler*innen oder Expert*innen dabei. Es geht darum, gewohnte Pfade zu verlassen und neue Perspektiven einzunehmen. Dafür braucht man Reibungsfläche und den Austausch mit anderen Leuten.

In den Projekten nehmt ihr Texte und schafft neue Zugänge zur Literatur, indem ihr weitere Dimensionen hinzufügt. Reicht Text alleine zur Vermittlung nicht aus?

Der Text ist der Text ist der Text. Ich sehe unsere Kunstaktionen, Ausstellungen und Textexperimente nicht als einen Ersatz des eigentlichen Textes, sondern als eine weitere Lesart, einen möglichen Zugang, eine Erweiterung, die im besten Fall Lust macht, den Ursprungstext zu lesen.
Jeder Text verändert sich durch seine Form, egal ob er von Hand auf ein Papier, mit einem bestimmten Design zwischen Buchdeckeln, als gesungenes Lied, als dramatischer Text auf der Bühne oder mit Bildern im Film gesprochen oder präsentiert wird. Wir machen uns Gedanken über diese verschiedenen Formen und befragen Texte immer auf ihre klangliche und räumliche Dimension. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: In unserer Aktion „A Poem for Dinner“ haben wir vier Köchinnen und Köchen ein Gedicht vorgelegt, das sie als Inspiration für ein Gericht verwendet haben. Über vier Monate hinweg konnten die Gäste das Gedicht auf der Karte lesen und das dazugehörige Gericht bestellen und kosten. Das Gedicht spricht für sich und braucht nicht unbedingt ein dazu passendes Essen. Aber was passiert, wenn man mit Freund*innen an diesem Tisch sitzt, die Gewürze herausschmeckt, das Gedicht zusammen liest, sich mit der Köchin unterhält? Man kommt ins Gespräch über Literatur. Das reicht weit über jede Vermittlung hinaus.

Bisher habt ihr euch vor allem literarische Texte vorgenommen. Ist so eine Herangehensweise auch bei Ratgeberthemen oder Sachbüchern denkbar?

Das ist eine sehr interessante Frage, die ich gleich in unser nächstes Brainstorming-Treffen mitnehmen werde. Warum eigentlich nicht? Natürlich bieten poetische Texte mehr Möglichkeiten der künstlerischen Adaption, aber warum sollte man nicht einmal eine Aktion zu einem spannenden Sachbuchthema starten. Ich könnte mir gut vorstellen, etwa zum Thema Partizipation eine Aktion im Stadtraum zu planen oder auch eine Art literarischen Gesundheitspfad durch den Botanischen Garten. Wichtig ist, dass man aussagekräftige Texte als Grundlage hat und eine gute Idee, wie man Menschen überraschen kann. So entstehen neue Räume, die zum Austausch über Literatur, Politik und Kunst einladen.

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