5 Fragen an Angela Misslbeck von unterwegsmitkind - Montagshappen
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5 Fragen an Angela Misslbeck von unterwegsmitkind

Am 20. September ist wieder Weltkindertag. Er rückt die Rechte und Bedürfnisse von Kindern in den Fokus. Mit Angela Misslbeck, Bloggerin, Journalistin und Autorin des Buches “Allein mit Kind unterwegs“, haben wir darüber gesprochen, ob es für Kinder auch ein Grundrecht aufs Reisen geben sollte.

Sie schreiben in Ihrem Blog vor allem auch darüber, als Alleinerziehende mit Kind zu verreisen. Steht man da vor besonderen Herausforderungen?

Leider ja, allein in Hinblick auf die Preise. Dabei muss man gar nicht unbedingt alleinerziehend sein. Auch für Omas mit ihren Enkeln oder ähnliche Konstellationen gibt es Nachteile. Ein Erwachsener alleine als Begleitperson von einem Kind oder mehreren Kindern ist bei vielen Angeboten und der Preisgestaltung in der freien Wirtschaft einfach nicht vorgesehen. In Hotels zahlt man mitunter als Alleinreisende mit einem dreijährigen Kind fürs Doppelzimmer den gleichen Preis wie ein Ehepaar. Kinderrabatte gibt es meistens nur bei zwei Erwachsenen. Mit anderen Worten: Ein dreijähriges Kind zahlt den vollen Hotelpreis, wenn es mit nur einem Erwachsenen reist. Ich finde, Kinderrabatte sollten einfach unabhängig von der Zahl der mitreisenden Erwachsenen sein. Manche Hotels haben das schon verstanden und bieten Single mit Kind Tarife an. In Deutschland machen es die Jugendherbergen vor. Dort sind Kinder unter sechs Jahren manchmal sogar kostenlos. Bei Flügen gelten Kinderrabatte ja auch nicht erst ab zwei mitreisenden Erwachsenen. Wobei diese Rabatte zwischen drei und zwölf Jahren nicht besonders großzügig ausfallen. Bei der Preisgestaltung für Familien muss man die Deutsche Bahn wirklich loben, denn dort fahren Kinder bis vierzehn kostenlos mit.

Das heißt, der Preis ist oft eine echte Hürde beim Thema Reisen. Sollte es Ihrer Meinung nach für Kinder ein Grundrecht zu reisen geben?

Definitiv, denn Kinder gewinnen unterwegs so viel ­­– in allen Dimensionen: Sie lernen eine andere Natur und Landschaft kennen, eine neue Kultur und neue Sitten. Das kann natürlich auch schon mal nach hinten losgehen, wenn sie dann zum Beispiel auch im feinen Restaurant in Deutschland alles mit den Händen essen wollen… Andere Kulturen machen das vor. Aber sie bekommen vor allem auch die Möglichkeit, sich in einer unbekannten Umgebung zurechtzufinden und können Neues ausprobieren. Das gibt ihnen unvergleichlich viel Selbstbewusstsein. Jede Reise erweitert ihren Horizont. Und noch dazu können im Urlaub Eltern auch viel mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, als das im Alltag möglich ist.

Genau das ist ja aber für viele Eltern auch eine Herausforderung. Viele Eltern sind froh, wenn die Sommerferien wieder vorbei sind. Wie profitieren Eltern und Kinder gleichermaßen von einer gemeinsamen Reise?

Die Umstellung ist wirklich nicht immer leicht, aber es gibt ein paar einfache Tricks. Vor allem am Anfang des Urlaubs sollte Freizeit stehen und kein festes Programm. Das Recht auf Freizeit ist übrigens auch in der UN Kinderrechtskonvention verankert. Damit beschäftigt sich mein Sohn in der Schule gerade. Er meint aber, ein Recht auf Reisen wäre noch einmal etwas Besonderes, weil Kinder auch die Möglichkeit haben sollten, andere Orte und Länder kennenzulernen.

Wer bereits am ersten Tag morgens zu einer geführten Tour erscheinen muss, steht gleich wieder unter dem Zeitdruck, den man mit dem Alltag eigentlich hinter sich lassen wollte. Das soll nicht heißen, dass man nichts unternimmt, aber die Pläne bleiben besser flexibel und spontan. Außerdem sind die Bedürfnisse der Familienmitglieder oft unterschiedlich und müssen verhandelt werden. Irgendwann war Wandern bei meinem Sohn nicht mehr angesagt. Er geht lieber schwimmen. Dann machen wir öfter einen Deal: vormittags wandern, nachmittags ab an den Pool. Eltern sollten aber auf jeden Fall auch auf ihre Bedürfnisse achten, denn sind sie selbst angespannt, färbt das meist direkt auf das Kind ab. Da haben Kinder feine Antennen. Für Alleinerziehende, die auch gerne mal die Gesellschaft anderer Erwachsener suchen, gibt es ein paar Anbieter, die sich auf diese Zielgruppe spezialisiert haben. Ein idyllisches Ferienhaus ist da sicher nicht die richtige Wahl. Besser ein Appartmenthaus oder auch ein Bauernhof, auf dem man abends zusammen mit anderen am Lagerfeuer sitzen kann.

Das heißt, es muss auch nicht immer ein anderes Land sein, sondern kann auch der Bauernhof um die Ecke sein?

Auf einem Bauernhof können Kinder tatsächlich sehr viel erleben, gerade wenn sie sonst in der Stadt wohnen. Und Deutschland hat auch landschaftlich viel zu bieten und eine große Variation – das Wattenmeer ist weltweit einzigartig und gehört zum UNESCO-Welterbe. Auf der anderen Seite ist Deutschland eines der Länder, in denen es am wenigsten Spaß macht, mit Kindern zu vereisen. Denn in den meisten anderen Ländern haben die Menschen viel mehr Verständnis für die Emotionspalette eines Kindes, während man in Deutschland sehr schnell zumindest blöde Blicke erntet. Viele haben aber gar keine große Auswahl, was den Urlaubsort angeht, da das Budget so knapp ist und es wenig Unterstützung gibt.

Wenig, aber es gibt sie?

Einige Bundesländer bieten Zuschüsse zum Familienurlaub und räumen damit indirekt schon ein Kinderrecht auf Reisen ein. In Brandenburg zum Beispiel begründet die entsprechende Richtlinie den Zuschuss damit, dass „ein gemeinsamer Urlaub wesentlicher Bestandteil des Familienlebens ist, den Zusammenhalt der Familie fördert und neue Perspektiven eröffnet.“ Eine Aufstellung über mögliche Zuschüsse findet man bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Familienerholung. Ich meine, wenn die Politik die Bedeutung eines Urlaubs nicht nur betont, sondern auch noch Geld springen lässt, ist das ein deutliches Zeichen, dass ein Recht auf Urlaub für Kinder schon ziemlicher Konsens in der Gesellschaft ist.

Wobei man mit acht Euro pro Tag und Person, wie sie etwa in Brandenburg gezahlt werden, natürlich auch nicht sehr weit kommt. Deshalb ist es gut, günstige Angebote zu kennen: Die Zuschüsse werden vor allem für Urlaub in den Familienferienstätten gewährt. Es gibt sie in ganz Deutschland und in einer großen Spannbreite an Komfort. Sie sind vor allem geeignet für Familien mit mehreren Kindern. Manche von ihnen stehen einem Appartement-Hotel in nichts nach und verfügen sogar über einen Pool. Einige Jugendherbergen sind speziell zertifiziert für Familien. Auch kleine Pensionen, Bauernhöfe oder Ferienwohnungen von Privatanbietern gibt es teilweise sehr günstig.

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