In dem Kinderbuch „Leo, Hanna und die Werbehexen“ der Autorin Karin Burger geht es darum, Kindern die Tricks der Werbeindustrie zu zeigen und sie vor Manipulationen zu schützen, denen auch wir Erwachsenen immer wieder auf den Leim gehen – zum Beispiel an Tagen wie dem bevorstehenden Valentinstag.

Am 14. Februar ist wieder Valentinstag. Das ist ja ein Klassiker für Manipulation durch Werbung und ein Tag, am dem sich die „Werbehexen“ so richtig wohlfühlen. Sollten nicht lieber wir Erwachsene Ihr Buch lesen und so künstlich kreierte Feiertage ignorieren?

Karin Burger: (lacht) Absolut! Es melden viele vorlesende Mütter und Väter, dass sie sich einen der frechen Werbehexen-Aufkleber in den Geldbeutel kleben, um sich beim Einkaufen und Shoppen an der eigenen Nase zu packen und sich zu fragen, „brauche ich das wirklich?“

Der Valentinstag ist bei uns schon seit Jahrhunderten bekannt, neu ist der Geschenke- und Konsum-Rausch, der nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem „Wirtschaftswunder“ in Gang gesetzt wurde. Nichts gegen den Tag der Liebe: ein Röslein mit einem handgeschriebenen Liebesbrief finde ich zauberhaft und dafür kann man gerne auch den 14. Februar als Anlass nehmen, aber die „Werbehexen“ machen inzwischen auch aus dem Valentinstag eine Konsumschlacht. Und sie machen das gut. Mein Wunsch ist, dass wir unseren Liebsten lieber Zeit, Aufmerksamkeit und Liebe schenken – das ist viel schöner als noch mehr „Zeug“, das wenige Zeit später zu Müll wird.

Lassen sich Kinder von der Werbung leichter manipulieren als Erwachsene und welche Folgen hat das für Eltern?

Karin Burger: Kinder können bis zum 10. Lebensjahr tatsächlich nicht ohne Hilfe zwischen Werbung, Geschichten und Realität unterscheiden. Eltern kämpfen wirklich tagtäglich mit dem Sog, der durch die perfiden Tricks der Werbeindustrie auf die Kinder einwirkt. Wo wir gehen und stehen: im Supermarkt, in der Glotze, im Kino, im Internet, auf YouTube, auf Instagram… überall lauern die Verlockungen. Es gibt ganze Werbe-Kongresse, die den Fokus haben: Kinder und Jugendliche an Marken zu binden. Ich finde das sehr bedenklich. Ich habe das selbst mit meinen Buben erlebt und zu diesem Ergebnis kam auch Prof. Dr. Stefan Aufenanger in seiner Studie zur „Werbekompetenz“ von Kindern. Er plädiert sogar für „Werbeerziehung“ in der Schule. Das Fach gibt es bisher nicht, aber mich erreichen viele Emails und Briefe von Lehrerinnen und Schülern aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Luxemburg, die das Buch im Unterricht einsetzen und sich damit mit dem Thema aktiv auseinandersetzen.

Wie reagieren Kinder, wenn sie Ihr Buch gelesen haben?

Karin Burger: Wenn sie die ersten beiden Kapitel gelesen haben, verstehen Kinder sofort, wie Werbung funktioniert. In dem Moment, in dem die erste Werbehexe den kleinen Leo verhext, der unbedingt ein Schokomüsli haben will, weil sein Fußballstar auf allen Kanälen dafür wirbt. Durch das Buch kapieren Kinder schnell, dass sie manipuliert werden sollen – und das wollen Kinder nicht.

Am Ende werden die kleinen Leser dazu aufgefordert, selbst zu Werbedetektiven zu werden. „Seitdem versuchen sie immer öfter Werbetricks auf die Schliche zu kommen“, berichten mir Eltern.

Was können wir von Kindern lernen, um die Werbehexen zu besiegen?

Karin Burger: Im Buch tauchen nicht nur Werbehexen, sondern auch Werbefeen auf. Die machen Werbung für Unternehmen, die ihre Produkte anständig produzieren – diese Spuren kann man auch finden, durch Gütesiegel wie Fairtrade, Bio, FSC etc. Wenn die Kinder das gelesen und verstanden haben, drehen sie plötzlich Schachteln und Packungen um und stellen den Eltern kritische Fragen. Oft kennen nicht mal die Eltern alle Siegel. Das Buch löst gesunde Diskussionen in Familien aus. Das war mein Ziel.

Sie sind ja selbst im Bereich PR und Marketing tätig. Gibt es eine, nennen wir es mal, faire Art, Marketing und Werbung zu betreiben?

Karin Burger: Selbstverständlich. Ich LIEBE gute Werbung! Aber ich bin der Meinung, dass Werbung fair und anständig sein muss – für Produkte, die unserem Planeten nicht schaden. Jeder, der ein Produkt, eine Idee oder eine Dienstleistung anbietet, die Mensch und Natur nicht unnötig belasten oder ausnutzen, soll natürlich darüber reden und es bewerben. Ich widersetze mich nur der Werbung für Dinge und Dienstleistungen, die zum vermeintlichen Wohle des einen, aber auf dem Rücken von anderen ausgetragen werden. In der Schweiz hat man herausgefunden, dass Frühstücks-Cerealien für Kinder durchschnittlich 60% mehr Zucker enthalten als die gleichen Produkte für Erwachsenen. DAS muss gesetzlich reguliert werden.

 

Buchtipp: