Montagshappen-Interview: 5 Fragen an Meera Leilani Zaremba
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Montagshappen-Interview: 5 Fragen an Meera Leilani Zaremba

Meera Leilani Zaremba ist Vorstand und Campaignerin bei „Mein Grundeinkommen e.V.“, einem gemeinnützigen Start-up im NGO-Bereich, der das bedingungslose Grundeinkommen erprobt und erforscht. Via Crowdfunding sammelt sie mit ihrem Team Spenden, und sobald 12.000 Euro zusammengekommen sind, werden diese als bedingungsloses Grundeinkommen mit 1.000 Euro im Monat verlost.

1. Die Initiative Mein Grundeinkommen e. V. ist das erste zivilgesellschaftliches Pilotprojekt zum Bedingungslosen Grundeinkommen. Was treibt Dich an, Dich hier zu engagieren?

Mein Grundeinkommen ist für mich besonders, weil es durch die Verlosung von echten Grundeinkommen das Konzept für alle individuell greifbar macht. Ganz ohne politischen „Kampf“ oder gar erhobenen Zeigefinger inspirieren wir so mittlerweile Millionen von Menschen, für ihr eigenes Leben und unsere Gesellschaft neue Möglichkeiten zu sehen. Das ist für mich eine wahnsinnig bedeutungsvolle Arbeit – und dringend notwendig. Es gibt unglaublich viele Menschen, die in unserem aktuellen System unter einem enormen Leistungsdruck stehen und unter Existenzängsten leiden. Jeder dritte ist Burnout gefährdet. Stress und soziale Isolation nehmen zu. Das ist aus meiner Sicht nicht nur schlimm, sondern auch völlig unnötig. Es gibt so viele Ideen zur Verbesserung, – worauf warten wir noch?

2. Was sind die Vorteile eines bedingungslosen Grundeinkommens?

Nachweislich ist es so, dass wenn wir gestresst sind oder Angst haben, unsere Denk- und Entscheidungsfähigkeit beeinträchtigt ist. Chronischer Stress beeinträchtigt unser Leben massiv – unsere Beziehungen, unsere Gesundheit, unser Selbstwertgefühl. Grundeinkommen ist Balsam für diesen Stress. Es behebt eine der wichtigsten Ursachen: Niemand müsste sich mehr Sorgen machen, ob er nächsten Monat noch genug Geld verdienen kann, um sich und seine Familie zu versorgen. Das wäre für mich ein einfaches, aber würdevolles Fundament auf dem Menschen ihr Leben gestalten könnten statt einem entfremdeten Leistungsfetisch nachhetzen zu müssen.

3. Schaut man auf Pilotprojekte zum Grundeinkommen, gewinnt man jedoch den Eindruck, dass das Modell nicht wirklich funktioniert. Finnland hat sein Pilotprojekt nach zwei Jahren eingestellt …

Das Modellprojekt in Finnland war von vornherein nur auf zwei Jahre ausgelegt. Jetzt ist es abgeschlossen und die Ergebnisse werden im Frühjahr veröffentlicht. Ich bin gespannt!
Das Interesse an Pilotprojekten steigt weltweit gerade an. Statt die Idee abzulehnen, werden Forscher und Politiker neugierig: Könnte Grundeinkommen funktionieren? Das zeigt eine Versachlichung der Debatte. Das Thema ist vom Utopischen ins Realpolitische gerückt.

4. Was ist Deine Idee zur Finanzierbarkeit eines bedingungslosen Grundeinkommens für alle?

Die Finanzierung des Grundeinkommens wird komplex. Die größte unbekannte Variable ist, wie die Einführung unsere Volkswirtschaft beeinflussen würde. Das wiederum hängt unter anderem von der Höhe des Grundeinkommens und der Wirtschaftsstruktur ab. Die Finanzierung würde über Steuern passieren. Im Gespräch sind beispielsweise Digitalsteuern, insbesondere für Unternehmen, die immer weniger menschliche Arbeitskraft benötigen. Letzten Endes wird es eine Umverteilung erfordern. Genügend Geld ist da.

5. Mit „Mein Grundeinkommen e. V.“ wollt Ihr auch die emotionalen und psychologischen Aspekte zum Thema „Grundeinkommen“ praxisnah erforschen. Was sind Eure Erkenntnisse?

Die Menschen, die Grundeinkommen erhalten, erfahren eine neue Lebensqualität. Ihre Gesundheit verbessert sich, ihre Beziehungen verbessern sich, ihr Selbstwertgefühl wird gestärkt. Oftmals fassen sie den Mut, ihre Träume anzupacken und entwickeln mehr Mitgefühl für ihre Mitmenschen.
Existenzangst ist eine Blockade, die zwischen Menschen und ihrem authentischen Selbst steht. Wenn sie wegfällt, werden Glück, Empathie, Motivation und Kreativität wieder zugänglich. Und darum geht es.

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