Christina Kropp: Schnäppchen oder Luxusartikel? - Montagshappen
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Christina Kropp: Schnäppchen oder Luxusartikel?

Schnäppchen sind eine tolle Sache: Wenn wir etwas für die Hälfte ergattern, haben wir das Gefühl, einen enormen Gewinn gemacht zu haben. Den wirklichen Preis, zahlen wir aber oft erst später.

Don’t fake it ‘till you make it

Jeder weiß: Wer andere täuscht, betrügt sich am Ende selbst. Trotzdem boomt das Geschäft mit Plagiaten wertvoller Marken. Manchmal gefallen sie einfach nur. Oft sollen sie aber Reichtum und gesellschaftlichen Status vortäuschen. Doch mit dieser „fake it ‘till you make it“-Strategie bleibt jeder Mensch genauso groß oder klein, wie er tatsächlich ist. Im schlimmsten Fall führt der Selbstbetrug dazu, dass das negative Gefühl, nicht zu reichen, nur noch verstärkt wird und dem Selbstwertgefühl weiter zusetzt.

Denn eine Kostbarkeit ist genau deshalb so kostbar, weil wir sie uns leisten, weil wir es uns wert sind. Der Preis ist zwar höher, aber demensprechend lang ist auch die Freude daran – sei es, weil wir unseren Luxusartikel pflegen und wegen des hohen Invests besser behandeln oder, weil das Kauferlebnis und das Gefühl, das wir damit verbinden, anhalten und sich wieder abrufen lassen.

Beim Shoppen geht‘s um Emotionen

Sind wir Fan der Lebensgeschichte von Coco Chanel – einer Frau, die ihren Weg mit allen Höhen und Tiefen erfolgreich gegangen ist – dann bringen wir auch Produkte dieser Marke beispielsweise mit innerer Stärke zusammen und mit dem Auftragen eines Chanel-Lippenstifts, sagen wir mehr aus, als wir aussprechen würden. Es geht gar nicht darum, selbst Coco Chanel zu sein. Wir wollen ein eigenes Gefühl für Selbstwirksamkeit entwickeln, dafür, dass auch wir schwierige Situationen aus eigener Kraft erfolgreich bestehen.

Wo Boss drauf steht, ist auch ein Boss drin

Wer Marke trägt, vermittelt gleichzeitig das vordefinierte Glaubensbekenntnis. Männer tragen zum Beispiel gerne „Boss“, wenn sie sich in ihrem Chefdasein stärken wollen – und wenn es nur die Boss-Unterwäsche ist. Wer BMW fährt, kauft den „Spaß am Fahren“ gleich mit. Die Zielgruppe VW-Fahrer will das Gefühl von Dominanz und Macht vermitteln und in einem Mercedes sitzen häufig Menschen mit hohem Sicherheitsbedürfnis. Dacia hingegen wirbt damit, das Statussymbol für Menschen zu sein, die kein Statussymbol brauchen und denen andere Dinge wichtiger sind, die vielleicht eher idealistisch veranlagt sind.

Konsum sollte die eigenen Bedürfnisse befriedigen

Jede Marke spricht gezielt die Bedürfnisse unterschiedlicher Menschen an. Wer ein hohes Sparen-Sammel-Motiv hat, kann sich mit einem Schnäppchen vielleicht glücklich machen. Ein anderer will nichts besitzen, das jeder haben kann und gibt, um sich abzuheben, wenn nötig, sehr viel Geld aus – nicht nur für Dinge, auch für Erlebnisse.

Was nichts kostet, ist nichts Wert

Ob Schnäppchen oder teures Luxusgut, beides kann seinen Zweck und einen Menschen erfüllen. Dazu sollten wir aber darüber nachdenken, warum wir etwas kaufen, was wir damit erreichen möchten und ob uns der Kauf in einen guten Zustand versetzt.

Eine Regel gilt für alle: Was nichts kostet, das wird nicht wertgeschätzt – oder wenn wir die Kosten dafür nicht selbst tragen müssen. Selbst dann nicht, wenn wir, wie bei einer Therapie oder einem Kurs, davon persönlich profitieren. Stattdessen werden Stunden leichtfertig geschwänzt, wenn die Kasse sie zahlt. Die Liste von Beispielen ist unendlich.

Das Beste, das wir für uns selbst tun können, ist herauszufinden, was für uns kostbar ist und uns genau das zu leisten, auch wenn andere deswegen den Kopf schütteln. Ich persönlich glaube, wer es schafft, sich in einem schönen Ambiente mal eine Mini-Champagner-Pfütze für 23,50 Euro ohne schlechtes Gewissen zu gönnen, der wird sich daran mit allen Sinnen erinnern und anders genießen als die Literflasche vom Discounter auf dem Sofa – selbst wenn es der gleiche Champagner ist. Also, Prost!

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