Stephanie Borgert: Disruption? Weckt mich, wenn’s vorbei ist! - Montagshappen
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Stephanie Borgert: Disruption? Weckt mich, wenn’s vorbei ist!

Was haben die Begriffe Disruption, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz gemeinsam? Sie führen die Hitliste des aktuellen Buzzword-Bingos an. Sie stehen für Hypes in der Wirtschafts- und Arbeitswelt, die regelmäßig wiederkehren und sich längst totgelaufen hätten, wenn sich mit ihnen nicht so prima Ängste schüren ließen. Dabei brauchen wir gar keine Angst zu haben.

„Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden.“

„Ganze Branchen werden wegbrechen.“

„Nichts bleibt, wie es ist.“

„Unternehmen, die sich nicht selbst disrupieren, werden sterben.“

So oder so ähnlich lauten Überschriften unzähliger Artikel, in denen wir gefragt werden, ob unser Geschäftemodell zukunftsfähig ist und ob wir schon Alternativen zum aktuellen Job haben. Dabei wird die Disruption, genau wie ihre Geschwister Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, zu einer Art mythischem Wesen hochstilisiert, dass die Welt aus den Angeln hebt und über den Fortbestand der Menschheit entscheidet. Zu viel Mythos wabert mittlerweile durch alle Diskussionen dazu. Deshalb ist es an der Zeit, ein paar wesentliche Missverständnisse zu klären:

Disruption ist neu

Der Begriff bedeutet zunächst mal soviel wie unterbrechen, stören. Auf Unternehmen übertragen heißt das, wandlungsbereit und flexibel zu bleiben. Sich zu verändern, wenn die Umstände es notwendig machen, ist jedoch keine neue Idee, sondern schon immer die Basis für anhaltenden Erfolg.

Digitalisierung ist neu

Meist ist einfach nur IT gemeint und das Elektronisieren von Prozessen. Das ist nun wirklich nicht neu und wird seit Konrad Zuse betrieben. Nur hieß es lange einfach EDV, dann IT und nun eben Digitalisierung.

Alles wird sofort anders

„Heute wird schließlich kein Produkt mehr per Kutsche ausgeliefert, sondern mit Hilfe modernster Hochleistungslogistik.“ Das stimmt. Aber es ist ja nicht so, als ob dieser Übergang ein großer Sprung gewesen wäre. Der Vergleich hinkt viel eher wie ein müdes Pferd, das immer wieder vor den Karren gespannt wird. Schauen wir zurück, wird deutlich, dass das eine lang-, lang-, langwierige Entwicklung war.

Maschinen sind bald schlauer als wir und übernehmen

Ob wir es Maschine, Roboter oder Künstliche Intelligenz nennen: Die Apparate können nichts, ohne dass wir ihnen Regeln, Daten oder zumindest ein Ziel vorgeben. Wir liefern den Input, programmieren die Algorithmen und bewerten die Ergebnisse. Der Rest gehört, nach wie vor, in Science-Fiction-Filme.

Der Mensch ist Opfer der Umstände

Das ist der größte Denkfehler überhaupt, denn schließlich sind wir es selbst, die definieren, was wir digitalisieren und wofür wir Maschinen einsetzen. Die Verantwortung lag immer beim Menschen und wird es auch immer bleiben.

Lassen wir uns nicht mitziehen von der Hysterie oder der Angstmacherei. Dann können wir erkennen, dass Disruption immer passiert und schon immer passierte. In Form neuer Unternehmen am Markt, neuer Geschäftsmodelle, neuer Kollegen und vielen kleinen wie großen Störungen. Und genau die brauchen wir, um aufmerksam und anpassungsfähig zu bleiben. Nur wer sich aus Angst davor verschließt, läuft Gefahr, den Lauf der Zeit zu verpassen.

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