Steffen Kirchner: Wann es sich lohnt, loszulassen statt durchzuhalten
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Steffen Kirchner: Wann es sich lohnt, loszulassen statt durchzuhalten

Der Spruch „Never give up“ liefert mehr als 23 Millionen Ergebnisse, wenn man ihn in eine Suchmaschine eintippt. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass wer aufgibt, gerne als Weichei gilt. Das Durchhalten um jeden Preis wird oft heroisiert und bei erfolgreichen Menschen verehrt.

Die Geschichten, bei denen ein Festhalten nicht an ein (zu großes) Ziel und nicht zum Erfolg geführt hat, erzählt man kaum. Dabei bildet gerade die Balance aus Durchhalten und Aufgeben die Basis für ein erfülltes Leben. Denn manchmal ist Aufgeben die richtige Lösung. Es gilt also herauszufinden, wann wir durchalten müssen und wann loslassen angesagt ist und sich zu fragen: An welchen Zielen halte ich fest und von welchen sollte ich mich verabschieden? So finden Sie das richtige Timing und treffen die richtige Entscheidung.

Die Kunst des richtigen Aufgebens

Natürlich sollte man sich persönlichen Wünschen und großen Träumen mit vollem Einsatz widmen und dafür auch schmerzhafte Widerstände in Kauf nehmen können. Doch ihnen blind hinterherzurennen, ohne sich selbst die Korrektur des eigenen Weges zu erlauben, ist einfach nicht sinnvoll. Schon Berthold Brecht hat gesagt: „Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war.“ Wichtig ist natürlich zu wissen, ob es gerade besser ist, aufzugeben oder dranzubleiben. Wer seinen körperlichen und emotionalen Zustand regelmäßig reflektiert, kann zwischen erfüllender Zielerreichung und einem Pyrrhussieg unterscheiden lernen.

Egal, wie wichtig ein Ziel sein mag: Wer bei dessen Verwirklichung seine Gesundheit gefährdet, muss das Ziel und die Strategie, um es zu erreichen, unbedingt hinterfragen. Wenn Sie unsicher sind, dann empfehle ich, einen mehrtägigen, vielleicht sogar mehrwöchigen Zeitraum festzulegen, in dem Sie beobachten, ob der Moment zum Aufhören gekommen ist oder nicht. In dieser Zeit sollten sie Ihre Aufmerksamkeit auf drei Bereiche lenken:

1. Ihr körperliches Wohlbefinden

Achten sie als erstes darauf, wie gesund und fit sich Ihr Körper anfühlt. Bekommen Sie körperliche Schmerz- oder Krankheitssymptome, ist es fatal, sich an Motivationslügen wie „Never give up“ festzuklammern. „Wenn es nicht wehtut, bringt es nichts“ gehört vielleicht ins Fitnessstudio, aber nicht ins Leben.

2. Ihre mentale und emotionale Situation

Beobachten Sie außerdem Ihren psychischen Zustand und Ihre Gefühlslage. Wie stark sind Ihre mentalen und emotionalen Schwankungen? Am besten, Sie setzen sich abends vor dem Einschlafen ein paar Minuten in Ruhe hin und lassen den Tag Revue passieren. Schreiben Sie Ihre Gedanken und Gefühle über mehrere Wochen in ein Notizheft. Es gibt Menschen, die gehen seelisch am Stock, sind aber körperlich trotzdem total fit. Das reicht, um etwas zu verändern.

3. Rationale Situationsanalyse und Perspektivbewertung

Parallel zur Beobachtung Ihrer körperlichen und seelischen Verfassung, kontrollieren Sie bitte auch den Verlauf Ihrer Zielerreichung ganz rational. Sie müssen Ihre Ziele am Ende nicht erreichen, aber unbedingt überprüfen: Kommen Sie wirklich voran? Machen Sie Fortschritte auf dem Weg zu Ihrem Ziel? Natürlich kann es immer auch Rückschritte geben. Auf Dauer sollte Ihre Entwicklung in Richtung Ziel aber entsprechend positiv ausfallen. Und ganz wichtig, sich ab und zu die Grundsatzfrage zu stellen: „Ist mir dieses Ziel immer noch wirklich wichtig?“ Denn Prioritäten im Leben ändern sich.

Ein Nein zu einem alten Weg ist immer ein Ja für einen neuen Weg

Wenn sie merken, dass Sie körperlich, emotional oder psychisch dauerhaft leiden, dass Ihr Ziel immer unrealistischer statt greifbarer wird oder dass sich Ihre Prioritäten im Leben verändert haben, dann lohnt es sich, aufzugeben und loszulassen.

Aber jetzt bitte keine Kurzschlussreaktionen! Haben Sie sich entschieden, einen alten Weg aufzugeben und sich neu zu orientieren, lassen Sie sich Zeit und schlafen Sie ein paar Nächte über diese Entscheidung. Wenn es keinen direkten körperlichen oder seelischen Alarmzustand gibt, der einen sofortigen Ausstieg notwendig macht, um die eigene Gesundheit zu schützen, machen Sie sich am besten einen Plan. Sich blind in etwas Ungewisses zu stürzen kostet nämlich auch viel Energie, genau wie das Loslassen von Gewohntem. Nehmen Sie sich Zeit und entwickeln Sie Ihren zukünftigen Weg vernünftig, planvoll, aber auch konsequent und ohne halbherzig zu werden.

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