Seit jeher haben Führungskräfte, Personaler und Unternehmer dasselbe Mantra: Starke Sozialkompetenzen sind wichtig für den Erfolg von Individuen, Teams und Unternehmen. Ob man nun im Team an einem zeitkritischen Projekt arbeitet oder einen Vertrag aushandelt, die Art und Weise wie man auf die andere Person eingeht und gleichzeitig für sich selber einsteht, ist entscheidend. Darüber hinaus hilft eine gewisse Empathie auch beim Netzwerken und manchmal auch dabei, Forderungen oder Wünsche erfüllt zu bekommen, die nicht selbstverständlich sind.

EMPATHIE WIE EINEN MUSKEL REGELMÄSSIG TRAINIEREN

Leider ist es aber so, dass wir Empathie nicht unbedingt von Geburt an als Charaktereigenschaft für uns verbuchen können. Viele müssen Empathie erlernen – am besten durch Erleben. Aber vor allem muss der Einsatz von Empathie auch trainiert werden, so regelmäßig wie ein Muskel. Im Alltag zum Beispiel, indem man darauf achtet, respektvoller, transparenter und offener zu kommunizieren. Sodass unsere Mitmenschen die Chance haben, unser Verhalten besser zu verstehen. Neue Verhaltensmuster zu etablieren ist allerdings schwerer, als wieder in alte zurückzufallen. Wir sollten also ein bisschen Geduld mit uns haben. Besonders, weil auch die eigene Arbeitsumgebung es uns nicht immer leicht macht, am Ball zu bleiben.

DURCH EHRENAMT ZU MEHR SOZIALKOMPETENZ

Mein persönlicher Rat an jeden, der Empathie trainieren und darin brillieren möchte: Suchen Sie sich ein Ehrenamt, das eine Tätigkeit beinhaltet, die Ihnen gefällt und die einen Zweck hat, für den Sie persönlich brennen. Durch die Tätigkeit in einem Ehrenamt verlassen wir unsere Komfortzone und kommen mit Menschen unterschiedlicher Charaktere, Berufsgruppen und Hintergründe zusammen. Das stärkt nicht nur unsere Sozialkompetenz, wir lernen auch viel über Eigenmotivation und uns selbst, da wir freiwillig, private Zeit zur Verfügung stellen und gezwungen sind, uns in Teams zu positionieren, die nicht von Jobtiteln, Bildung, Geld und Karriere geprägt sind. Natürlich gibt es auch Ehrenämter, die nicht unbedingt einen sozialen Hintergrund haben. Die meine ich nicht. Ich spreche von Charity Organisationen oder lokalen Einrichtungen, die Bedürftigen helfen.

Mich persönlich hat meine Ausbildung zur ehrenamtlichen Kinderhospizbegleiterin sehr geprägt und meiner Empathiefähigkeit einen Turboboost verpasst. In dieser Rolle bin ich mit unterschiedlichen Familien betraut, muss mich sehr schnell in neue, emotionale Situationen einfinden und darf das Erlebte gleichzeitig nicht zu sehr an mich herankommen lassen. Sprich, Probleme und Schicksale darf ich nicht „mit nach Hause“ nehmen. Ich kann Sie jedoch beruhigen: Nicht jeder muss solch ein intensives Ehrenamt erfüllen, um Empathie zu trainieren. Mir hat es geholfen und ich hoffe, es dient Ihnen als Anreiz, sich um ein Ehrenamt zu kümmern. Das würde mich begeistern.