Steffen Kirchner: Nur wer Angst hat, kann auch mutig sein
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Steffen Kirchner: Nur wer Angst hat, kann auch mutig sein

Wer beneidet nicht oft andere, die mutig etwas Neues wagen – den Schritt in die Selbstständigkeit, in ein neues Berufsfeld, ein Praktikum, Semester oder Job im Ausland, der Umzug in eine neue Stadt. Wäre es bei Ihnen eigentlich auch schon längst Zeit, die eigene Wohlfühlzone zu verlassen und mit Mut etwas zu unternehmen – in Sachen Beruf oder Familie?

Mut ist trainierbar

Die Menschen, von denen wir uns wünschten, wir wären ein bisschen mehr wie sie, haben nicht weniger Ängste, sind nicht unbedingt mutiger oder talentierter, kämpfen ebenfalls mit vielen Misserfolgen. Der Unterschied ist: Sie tun was sie tun trotz ihrer Angst. Und zwar meist nicht nur obwohl, sondern gerade weil sie Angst haben! Sie haben gelernt, dass sie ihr Selbstbewusstsein aufbauen können, wenn sie ihre Ängste attackieren. Das Ergebnis nennen wir dann Mut. Mut ist also keine angeborene Eigenschaft oder auch kein Zielzustand, sondern Mut ist schlicht und einfach ein Trainingseffekt, der aus Übung heraus entsteht und übrigens genauso wieder vergeht, wenn wir das Training längere Zeit unterlassen.

Der erste Bereich, in dem ich mein Mut-Training begonnen habe war im Tennis. Ich wurde bei Wettbewerben oft nervös und glaubte nicht mehr an mich und meine Fähigkeiten. Die Folge war, dass ich anfing vorsichtiger zu spielen, um ja keine Fehler zu machen. Ich ließ mich vom Gegner und meinen eigenen Ängsten in die Enge treiben und spielte nach einiger Zeit so schlecht wie ein Gorilla, dem man einen Tennisschläger an den Arm gebunden hatte.

Ängste attackieren

Ich lernte, dass ich gerade, wenn mich die Angst bekam und ich begann Fehler zu machen, anfangen musste, das Risiko zu erhöhen, anstatt es zu minimieren. Rein spieltaktisch war diese Strategie natürlich äußerst fragwürdig und meine Trainer dachten manchmal ich wäre auf Drogen. Doch psychologisch gesehen war dieser Schritt richtig und wichtig, denn ich lernte, mich zumindest emotional freizuspielen. Natürlich verlor ich oft Matches aufgrund zu vieler Fehler. Doch am Ende zählen nur langfristige Ergebnisse: Ich spielte mutig und war aktiv. Ich selbst bestimmte, was auf dem Platz passierte, nicht mehr mein Gegner und auch nicht mehr meine Ängste. Ich hatte zwar nach wie vor Angst – doch es ist ein Unterschied ob du Angst hast oder die Angst dich hat.

Mut tut erst einmal nicht gut

Mut ist kein angstfreier Zustand. Sie ist die Kraft, das zu tun, was wir für richtig empfinden, ohne sicher zu wissen, ob unser Handeln wirklich zum Erfolg führt. Mut ist die Fähigkeit, sein Verhalten zu kontrollieren und das Notwendige zu tun, obwohl wir in dem Moment vielleicht zweifeln. Um das zu trainieren und immer mutiger und selbstbewusster zu werden: Tun Sie jeden Tag etwas, für das Sie sich überwinden müssen – egal, ob klein oder groß, beruflich, beim Sport oder zu Hause.

Sich nicht überfordern, aber fordern

Denn unser Gehirn verändert sich auf Dauer nur dann, wenn es neue Erfahrungen macht.  Wenn wir genau das tun, was seinen bisherigen Denk- und Handlungsgewohnheiten widerspricht, wenn wir etwas Besonderes erleben. Und zwar zum einen emotional wie auch körperlich besonders. Wer sich immer wieder im Kleinen seinen Ängsten stellt und sie mutig angeht, kann das irgendwann auch bei den ganz großen Entscheidungen tun.

 

 

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