Mona Schnell: Fünf Gründe für das Ende meiner Schnäppchenjagd
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Mona Schnell: Fünf Gründe für das Ende meiner Schnäppchenjagd

Früher kannte ich in jeder Stadt die Einkaufsstraßen und die hipsten Boutiquen zuerst – lange bevor ich mich mit deren Kulturangebot auseinandersetzte. Entschuldigung! Ich habe Mode studiert. Ich kann da nichts dafür! Es dauerte auch nie lange, da wusste ich, wo man die besten Schnäppchen ergattern konnte. Daran sind meine Gene schuld –  ich bin gebürtige Schwäbin.

Reduzierte Designerteile

Als ich vor elf Jahren für mehrere Monate in Miami arbeiten durfte, habe ich zum ersten Mal den Black Friday kennengelernt. Ich wusste sofort: Das ist mein Tag. Ich bin also um Mitternacht losgezogen, übrigens mit zwei männlichen Arbeitskollegen an meiner Seite, um die besten Angebote zu ergattern. Hätte ja sein können, dass am nächsten Morgen um 8 Uhr nichts mehr für meine Schnäppchenjagd übrig geblieben wäre. Die Prada-Pumps für nur 250$ (Originalpreis 750$), der Custo Mantel für 80$ (Originalpreis 600$) und die Stella McCartney Sonnenbrille für 19$ (Originalpreis 180$) überzeugten mich restlos.

Lieblingsmarke “Sale”

Am Ende hat mich mein Shoppingwahn vor allem eins gekostet: Viel vergeudete Zeit. Denn den größten Teil der so günstig geschossenen Teilen, habe ich maximal zwei Mal getragen. Aber das war mir egal. Es ging nur darum, zu besitzen. Kurzum, meine Lieblingsmarke hieß das ganze Leben lang “Sale”. Ich gebe zu, bis heute bereitet es mir manchmal seelische und körperliche Schmerzen, wenn ich ein paar Schuhe oder ein Kleid zum regulären Preis kaufen muss. Aber ich weiß, dass ich weder ständig auf Schnäppchenjagd gehen kann – das hält mein Geldbeutel nicht aus – noch möchte ich die Tatsache übersehen, dass bewusster Konsum dauerhaft nicht nur notwendig ist, sondern auch glücklicher macht.

Schnäppchen Detox oder das Ende der “Sale”-Mentalität

Vor zwei Jahren habe ich dann von heute auf morgen Schluss gemacht und mich auf Schnäppchen-Detox gesetzt. Heute kaufe ich bewusst und nur das, was ich brauche. So hab ich das geschafft:

1. Schnäppchen kosten

Ich mache mir immer wieder bewusst, das jedes Schnäppchen, das ich kaufe, einen anderen viel kostet. Nein, ich meine nicht die Händler. Ich meine alle an der Produktion Beteiligten. Man mag Berichte aus der Industrie, die von Menschen berichten, die 16 Stunden lang T-Shirts und Jeans nähen und davon noch nicht einmal überleben können, für übertrieben halten. Oder auch die Geschichten von für Mode lebendig gehäuteten Tieren. Fakt ist: Ich will das Risiko nicht eingehen. Wenn ich nicht genau weiß, woher ein Teil kommt, und das weiß ich nur äußerst selten, interessiert mich der Kauf der Neuware nicht. Geiz ist eben oft ganz schön ungeil.

2. Der Kick lässt nach

Schnäppchen zu kaufen wirkt ähnlich wie eine Droge. Erblicken wir ein Sonderangebot, schüttet unser Gehirn Glückshormone aus. Doch der Kick macht uns abhängig und lässt immer schneller nach, es sei denn, wir kaufen immer mehr. Das macht der Geldbeutel in der Regel nicht lange mit. Und der Kleiderschrank platzt irgendwann aus allen Nähten mit Zeugs, dass wir durch einen Impuls ausgelöst, gekauft haben, aber nie tragen. Ich will doch kein Junkie sein!

3. K(e)ine Investition in mich

Ich mag es, in mich selbst zu investieren. Geld raushauen kann jeder. Aber Geld investieren ist eine Kunst, die es sich zu lernen lohnt. Wir selbst sind doch das Wertvollste, was wir haben. Wenn wir also schon Geld ausgeben, dann für alles, was uns weiterbringt: gesundes Essen, Sport, Weiterbildung. Ständig neue Klamotten zu haben, ist keine Investition in mich, sondern nur in das, was ich anderen zeigen möchte. Das reicht mir nicht.

4. Ich fühle mich unabhängig

Bei mir ist das Lebensmotiv “Unabhängigkeit” sehr stark ausgeprägt. Ich wollte immer alles selbst machen und alles selbst entscheiden. Leider können wir das oft nicht in dem Maße, in dem wir es wollen. Wenn es nicht gerade um Dienstkleidung geht, bleibt uns aber selbst überlassen, wie wir uns anziehen. Keine Sorge, ich laufe  nicht in Kartoffelsäcken und Schuhen mit Löchern in den Sohlen rum. Aber ich entscheide, unabhängig vom Preis und unbeeinflusst von Werbung, was ich kaufen möchte und was nicht.

5. Ich kompensiere anders

Ein Kollege hat mal zu mir gesagt: Wenn du die Stadt verlässt, geht der Einzelhandel pleite. Das war zu Zeiten, als ich noch angestellt war und regelmäßig den Frust über meinen Job beim Shopping in der Mittagspause kompensiert habe. Heute mag ich meine Selbständigkeit meistens. Und wenn nicht, dann unternehme ich einen langen Spaziergang mit meinem Hund. Das baut Frust ab und lässt mich die Welt ganz schnell wieder in einem anderen Licht sehen – ganz ohne kurzfristigen Kick und Konsumwahn.

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