Susanne Groth: Mentale Stategien, um beim Lernen durchzuhalten
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Susanne Groth: Drei Fragen für das Durchhalten beim Lernen

Wer wollte nicht schon mal vor dem Urlaub seine Sprachkenntnisse auffrischen oder neue erwerben? Zahlreiche Apps und Programme versprechen, dass ein paar Minuten am Tag reichen, um ans Ziel zu kommen. Wir lernen ein paar Wochen ganz ambitioniert. Dann folgt das schlechte Gewissen, weil wir zunächst drei Tage nichts gemacht haben, bis das Vorhaben langsam aber sicher ganz versandet. Aber vielleicht klappt es ja nächstes Jahr, wenn der Job nicht so stressig ist oder wenn die Kinder größer sind…

Im Privaten ist das kein Problem. Schwierig wird es aber, wenn wir versäumen, uns wichtiges Wissen und notwendige Kompetenzen für den Job anzueignen. Da ist auf jeden Fall durchhalten angesagt und die eigene Selbstlernkompetenz auszubauen. Doch wie gelingt das, wenn der Terminkalender beruflich und privat überquillt? Dazu müssen Sie für sich eigentlich nur drei Fragen beantworten:

1. Wozu will ich lernen?

Felder, in denen es lohnt, sich weiterzubilden, findet man an jeder Ecke. Und die Entwicklung ist so schnell, dass Wissen nicht mehr hierarchisch weitergegeben werden kann. Selbstlernkompetenz wird also immer wichtiger. Aber Achtung: Statt einfach wild draufloszulesen und zu lernen, ist es besser, sich vorher bewusst zu machen, wozu man etwas überhaupt lernen möchte. Welches Ziel und welcher höhere Zweck stecken dahinter? Wer das zu Beginn einmal definiert hat, der kann auf diese Motivation zurückgreifen, wenn der Antrieb gerade mal fehlt. Auch wenn Sie schon mitten drin sind in Ihrem Lernprojekt oder schon im ersten Motivationstief stecken, was Ihre Vorsätze angeht: Überlegen Sie noch einmal genau, warum Sie diesen Vorsatz gefasst haben oder sich gerade diesem Themenfeld widmen wollen. Wer sich jetzt auch noch Gleichgesinnte mit ähnlichen Zielen sucht, hat noch mehr Unterstützung während schwieriger Phasen. Indem wir unser Vorhaben öffentlich machen, wird es außerdem verbindlicher. Formulieren Sie dafür klare Sätze: „Ich will XY lernen, um in drei Monaten, dies und jenes zu tun oder zu können.“

2. Was will ich lernen?

Das erwählte Thema muss dann meistens erst einmal in verschiedene Unterthemen unterteilt werden. Nur so können wir konkrete und realistische Lernziele formulieren. Zielorientiert lernt es sich effizienter und leichter. Aber nur, wenn wir uns nicht direkt zu Anfang übernehmen. Das schlägt dann eher in Demotivation um. Daher klären Sie, was genau und in welcher Tiefe Sie lernen möchten. Legen Sie einen Zeitrahmen fest, gerade wenn es sich um zeitkritische Themen handelt oder Sie nicht viel Zeit zum Lernen zur Verfügung haben. Sie können dafür die SMART-Formel verwenden, mit der Ziele spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert formuliert werden.

Sie haben maximal 15 Minuten Zeit pro Tag für eine kurze Lerneinheit oder die Pflege Ihres Netzwerkes? Prima! So kommen Sie pro Arbeitswoche schon auf über eine Stunde. Viele empfinden es als hilfreich, diese kleine Sequenz an den Anfang des Tages zu stellen, bevor der Alltag die Regie übernimmt. Denken Sie auch an einen kleinen „Stundenplan“ und setzen Sie sich ein Monatsziel aus dem Sie dann kleine, überschaubare Wochenziele ableiten. Was möchten Sie bis Ende der Woche erreicht haben? Und was brauchen Sie dafür? Am Ende der Woche überprüfen Sie Ihren Lernfortschritt und organisieren entsprechende Maßnahmen für die Folgewoche. So erreichen Sie innerhalb eines halben Jahres eine ganze Menge. Dieser festgelegte Rahmen hilft dabei, fokussiert zu bleiben und bis zum Ende durchzuhalten. Und ist ein Tag wirklich einmal total voll, halten Sie trotzdem an Ihren Gewohnheiten fest und lernen Sie wenigstens fünf Minuten, ehe Sie gar nichts machen.

3. Wie klappt es am besten?

Räumen Sie Ihrem Lernvorhaben Priorität ein! 15 Minuten zusätzlich am Tag lernen heißt, dass Sie sonst in dieser Zeit etwas anderes gemacht haben. Sie müssen also andere Dinge weglassen. Überlegen Sie schon im Vorfeld, welche andere Tätigkeit Sie für eine Weile zurückstellen können.

An die Inhalte, um sich weiterzubilden, kommt man heute sehr leicht. Viele sind bereits kostenlos und in sehr guter Qualität online verfügbar. Das ist wunderbar. Das enorme Angebot verleitet uns aber auch dazu, uns zu verzetteln. Suchen Sie sich lieber ein zwei Kanäle oder mediale Formate, die Sie gut in Ihren Alltag integrieren können und bleiben Sie erst einmal dabei. Hören Sie zum Beispiel einen Podcast. Den sollten Sie aber nicht nur nebenbei laufen lassen, sondern sich im Anschluss auch wichtige Punkte notieren. Oder Sie nutzen eine Sprachlern-App. Vielleicht legen Sie aber auch die Elektronik weg und unterhalten sich 15 Minuten mit einem anderen Menschen in der neuen Sprache. Menschen bleiben bei all der Technik sowieso der zentrale Faktor für Ihr Durchhaltevermögen.

Wer in der Lage ist, sein Lernnetzwerk auszubauen und zu stärken, hat die Möglichkeit, auch auf den praktischen Erfahrungsschatz anderer zurückzugreifen. Laden Sie andere dazu ein, Ihre Erfahrungen mit Ihnen zu teilen, in Barcamps oder Meetups, genauso wie in digitalen Netzwerken und Foren.

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