Susanne Wächter: Die Qual der Wahl - Montagshappen
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Susanne Wächter: Die Qual der Wahl

Welternährungstag, Weltvegetariertag, Welttierschutztag – diese drei Aktionstage folgen dicht aufeinander. Nur Zufall oder was haben sie miteinander zu tun? Eine Frage, die sich jeder mindestens einmal stellen sollte. Allein in Deutschland essen wir durchschnittlich im Laufe unseres Lebens 1100 Tiere. Gesund ist das nicht. Weder für die Tiere noch für uns und auch die Umwelt leidet.

Dabei können wir frei wählen, was auf den Tisch kommt. Nach Angaben der UN haben 124 Millionen Menschen weltweit diese Wahl nicht. Sie kämpfen täglich ums Überleben. Und wir? Wir überlegen, welche Wurst wir morgens aufs Brot legen und welches Tier am Abend verzehren. Beim Schlendern durch deutsche Innenstädte könnte der Eindruck entstehen, die Zahl der Vegetarier und Veganer hat sich vervielfacht, aber die Wahl der Deutschen fällt noch immer häufig auf das Fleisch in der Kühltheke, am besten im Sonderangebot. 60 Kilogramm Fleisch essen wir pro Kopf beziehungsweise pro Magen im Jahr. Das ist viel zu viel.

Tierschutz auf dem Teller

Dass der hohe Fleischkonsum nur auf Kosten des Tierwohls geht, scheint noch lange nicht jedem bewusst zu sein. Dabei dokumentieren Tierschützer regelmäßig die Zustände in deutschen Ställen und Schlachthöfen. Von Schweinehochhäusern ist die Rede und von Qualzuchten. Masse statt Klasse. Und billig muss es sein. Dass dies nicht nur auf Kosten der Tiere geht, sondern auch unserer Gesundheit massiv schadet, blenden die meisten aus. „733 Tonnen Antibiotika wurden 2017 alleine in Deutschland in der landwirtschaftlichen Tierhaltung eingesetzt“, schreibt die Tierschutzorganisation Peta auf ihrer Seite. Ohne geht es nicht mehr.

Das Leben eine einzige Qual

745 Millionen Tiere werden allein in Deutschland geschlachtet. Ihre Haltung oft eine einzige Qual. Rindern werden die Hörner gestutzt, Schweine ohne Betäubung kastriert, Hühner so gezüchtet, dass ihre Brust zu schwer ist, um sich zu bewegen. Im Schlachthof geht es weiter. Bei Hunderttausenden von Tieren wirkt die Betäubung nicht, sie werden lebendig geschlachtet. Stress, der bei den Verbrauchern auf dem Teller landet. Gesund ist das nicht.

300 Gramm Fleisch reichen aus

Wer gerne isst, sollte dies bewusster tun. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine ausgewogene Kost, aus Gemüse, Getreide, Fleisch und Fisch. Viele Vollkornprodukte, wenig Fleisch und einmal die Woche Fisch. Zwischen 300 und 600 Gramm Fleisch pro Woche reichen vollkommen aus. Wurst zählt übrigens auch dazu. Und fünf Portionen Obst und Gemüse sollten täglich verzehrt werden.

Leben Vegetarier gesünder?

Weniger bis keine tierischen Produkte, mehr Obst und Gemüse: Ist das wirklich gesünder? Über diese Frage sind sich auch Ernährungsmediziner nicht einig. Fest steht, dass eine ausgewogene Ernährung der Gesundheit guttut. Gemüse ist gesünder und schadet der Umwelt weniger, behaupten diejenigen, die den tierischen Produkten gänzlich den Rücken gekehrt haben. Stimmt das? Der WWF hat in seinem Ernährungsreport schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass eine bewusste Ernährung den CO2-Ausstoß senken würde. Gelänge es, die Verbraucher in Deutschland davon zu überzeugen, weniger fleischbetont zu essen und zudem weniger essbare Nahrungsmittel wegzuwerfen, würden hier und andernorts über vier Millionen Hektar an Acker- und Grünland frei für andere Nutzungen, schreiben die Forscher in ihrem Bericht.

Zeit, sein Ernährungsverhalten zu überdenken, ist es allemal.

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