Susanne Heinz: Was Hänschen nicht lernt, lernt eben Hans - Montagshappen
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Susanne Heinz: Was Hänschen nicht lernt, lernt eben Hans

WIm Volksmund schneidet Hans deutlich schlechter ab. Aber was stimmt wirklich? Für manche mag es sich zwar so anfühlen, als ob sie mit zunehmendem Alter schlechter lernten. Wahr ist es deshalb noch lange nicht. Viel mehr gilt:

Ältere Menschen lernen anders – aber nicht schlechter.

Das sind doch mal gute Neuigkeiten! Und ich habe noch mehr für Sie: Die Lernfähigkeit, also die Anpassungsfähigkeit unseres Gehirns, Plastizität genannt, bleibt unser ganzes Leben über erhalten. Theoretisch können wir also, unabhängig vom Alter, gut lernen. Denn beim Lernen geht es immer um die neuronale Vernetzung und Verschaltung im Gehirn. Es entstehen Synapsen, neue Verbindungen, ähnlich eines Trampelpfads.

Der Synapsen-Weg

Stellen Sie sich eine grüne, saftige und unberührte Wiese vor. Am Ende dieser Wiese steht eine Hütte und dort wollen Sie Pause machen. Sie sind diesen Weg noch nie gegangen und auch niemand vor Ihnen. Daher ist der Weg zur Hütte ziemlich beschwerlich und erfordert Konzentration und Zeit. Hier und da warten Stolpersteine wie Gestrüpp und Kaninchenhöhlen. Sie müssen sich also erst einmal mühsam Ihren Weg bahnen. Auf dem Rückweg sind Sie schon auf die Strecke vorbereitet und wissen, wo die schwierigen Stellen sind. Zudem finden Sie auch noch ihre Spuren vom Hinweg. Es geht schon etwas einfacher. An den folgenden Tagen laufen Sie immer wieder den gleichen Weg und das fällt Ihnen von Tag zu Tag leichter, bis Sie irgendwann keine Mühe und Aufmerksamkeit beim Gehen mehr brauchen und die schöne Landschaft rundherum genießen können.

Wo liegen also die Unterschiede? Prof. Dr. Claudia Voelcker-Rehage zeigt bei einer Studie am Beispiel des Jonglierens die Unterschiede bei der Lerngeschwindigkeit auf. In der Altersgruppe bis 29 Jahre wurde das Jonglieren recht schnell erlernt. Die Unterschiede zur Altersgruppe 30 bis 75 waren vorhanden, aber nicht groß. Alle lernten ungefähr im gleichen Tempo, die Bälle in der Luft zu halten. Also gilt: Wer durchhält, egal bei welchem Lernprojekt, darf bald Erfolge einstreichen. Denn es braucht nur wenige Wochen an Übung, bis neue Bewegungsabläufe stabil im Gehirn verankert sind.

Gehirndoping durch Erfahrung

Wir können unser Gehirn also wie einen Muskel trainieren. Bei jungen Menschen schlägt das Training zwar etwas schneller an, bei älteren Menschen dauert es etwas länger bis sich die neuen neuronalen Verbindungen stabil gebildet haben. Aber ältere Menschen können dabei ihrem Gehirn eine Art Vernetzungs-Doping zukommen lassen, indem sie ihren Erfahrungsschatz nutzen. Bisher erworbenes Know-How und in der Vergangenheit Gelerntes bilden ein stabiles Netz, in das sich neue Informationen wie in ein Fischernetz einhängen lassen. Das Wissensnetz wird so also engmaschiger als bei jungen Lernern, die bei null starten.

Erfahrene Lerner wissen häufig auch bereits, auf welche Art und Weise sie am besten lernen. Das wiederum bringt ein Plus an Lerngeschwindigkeit. Eher hemmend wirkt sich aus, dass Erwachsene sehr streng mit sich sind und immer alles richtig machen möchten. Auf diese Art und Weise werden Lernerfahrungen nicht gemacht, die Kinder mit ihrem Motto „Trial and Error“ in ihrem Erfahrungsschatz verbuchen können. Wird diese Fehlervermeidungshaltung übertrieben, entsteht Angst und diese führt zur Verkrampfung. In so einem emotionalen Zustand gut zu lernen ist fast unmöglich. Freude und Spaß an der Sache hingegen wirken wie Dünger fürs Gehirn.

In Bewegung bleiben

Und noch etwas können sich Erwachsene von Kindern abschauen: Kinder sind ständig in Bewegung. Körper und Geist bilden eine Einheit. Und wer sich bewegt, lernt besser. Studien zeigen, dass sich regelmäßige körperliche Aktivitäten, wie zum Beispiel Walken, positiv auf die Gehirn- und Lernleistung auswirken. Diese Erkenntnisse haben auch in Schulen inzwischen dazu geführt, dass es beispielsweise so genannte Laufdiktate gibt, bei denen kleine Bewegungseinheiten integriert sind.

Gut lernen kann also nicht nur Hänschen. Auch Hans schafft das bis ins hohe Alter, wenn er weiß, wie, und dabei auch mal Fünfe gerade sein lässt. Also schnüren Sie die Walkingschuhe und lernen Sie Ihre Italienischvokabeln für die nächste Reise doch einfach am besten bei einer flotten Runde durch den Park. Und vielleicht laufen Hänschen und Hans ja die Runde auch gemeinsam, denn zusammen werden Ziele schneller und besser erreicht. Auch beim Lernen.

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