Nicole Pathé: Das Unternehmen als zweite Heimat? Das geht selten gut! - Montagshappen
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Nicole Pathé: Das Unternehmen als zweite Heimat? Das geht selten gut!

Engagierte und loyale Mitarbeiter wünschen sich alle Unternehmer und Führungskräfte. Allerdings sind sie immer schwerer zu bekommen. Die Zeiten, in denen der Firmensitz die zweite Heimat war, sind längst vorbei. Da hilft es auch nicht, den Mitarbeitern gutes Essen, ein Fitnessstudio oder Spielgeräte hinzustellen. Spätestens mit der eigenen Familie wirkt sich ein solches Work-Life-Blending sogar negativ auf die Angestellten aus, denn das Gefühl soviel zu verpassen sorgt dann eher für Stress. Und jetzt? Die gute Nachricht: Wir brauchen gar keine loyalen Mitarbeiter!

Der loyale Mitarbeiter. Was soll das eigentlich sein?

Eins stimmt natürlich: Loyalität ist eine tragende Säule für viele Formen des menschlichen Miteinanders. Sie stärkt Verbindungen im privaten wie im beruflichen Bereich. Freundschaften und Partnerschaften würden ohne Loyalität gar nicht funktionieren, genauso wenig wie Arbeitsverhältnisse und Kundenbeziehungen. Doch was genau ist Loyalität und wie drückt sie sich aus? Begriffe zu hinterfragen, die wir ständig verwenden und die in aller Munde sind.

Für mich ist jemand loyal, auf den ich mich verlassen kann, jemand, der sich mir verbunden fühlt, der ehrlich mit mir umgeht und darauf bedacht ist, mir keinen Schaden zuzufügen. Das ist mein Verständnis von Loyalität – ohne Anspruch auf eine allgemeingültige Definition, denn die Antworten können ganz unterschiedlich ausfallen:

  • „Loyal ist jemand, dem ich vertrauen kann und der anderen gegenüber wohlwollend von mir spricht.“ (Kauffrau für Versicherungen und Finanzen)
  • „Loyal ist jemand, der zu mir und zu unserer Firma steht und sie zuverlässig unterstützt.“ (Bereichsleiter in einer Bank)
  • „Loyalität ist für mich hundertprozentige Verlässlichkeit zwischen Menschen.“ (Personalreferentin in einem Pharmaunternehmen)
  • „Loyalität ist, wenn mich jemand anderen Menschen gegenüber wertschätzt.“ (Leiterin eines Kindergartens)
  • „Loyalität heißt, dass jemand Wege mitgeht, die ich entschieden habe, die die Person jedoch anzweifelt.“ (Geschäftsführer im Einzelhandel)
  • „Loyalität bedeutet, dass mir jemand den Rücken stärkt, indem er hinter mir steht. (Arzthelferin)
  • „Loyalen Mitarbeitern vertraue ich uneingeschränkt: Sie wissen viel und sie wissen genau, was sie davon wem sagen können, um der Firma zu nutzen.“ (Gründer eines Start-ups)

So unterschiedlich die Aussagen sind, so machen sie doch alle deutlich, dass Loyalität eine emotionale Zusage und von Gegenseitigkeit getragen ist. Das heißt, Unternehmen, die loyale Mitarbeiter beschäftigen möchten, tun gut daran, sich ihren Mitarbeitern gegenüber ebenfalls loyal zu verhalten. Wenn das in beide Richtungen klappt, ist das wunderbar.

Aber manchmal kommen Mitarbeiter in regelrechte emotionale Engpässe, weil ihre Vorstellungen und Werte mit dem Verhalten einer Person kollidieren. Meistens ist diese Person der unmittelbare Vorgesetzte. Wenn dessen Verhalten in wesentlichen Teilen keine Akzeptanz beim Mitarbeiter findet, vielleicht sogar auf Ablehnung stößt, dann wird es richtig schwer mit der Loyalität. TOP-Arbeitnehmer erkennen den Moment, in dem Loyalität zur Fessel wird, die ihnen Handlungsspielraum nimmt, sie ohnmächtig macht und sie immer weiter von Zufriedenheit und Erfolg wegzieht. Dann heißt es, loslassen, Loyalität nicht als Dogma verstehen, sondern sich selbst erlauben, auch einmal illoyal zu sein und den Mut aufzubringen, das Gespräch mit dem Chef-Chef zu suchen.

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