#Montagshappen-Interview: 5 Fragen an Madame Moneypenny
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#Montagshappen-Interview: 5 Fragen an …

Bloggerin und Bestseller-Autorin Madame Moneypenny, aka Natascha Wegelin. Ihr liegt nicht nur die eigene, sondern auch die finanzielle Unabhängigkeit von anderen Frauen am Herzen. Im Montagshappen-Interview spricht sie darüber, was das bedeutet und warum es heutzutage immer noch ein Thema ist, über das wir sprechen müssen.

Was bedeutet es, finanziell unabhängig zu sein und was muss ich tun, um das zu erreichen?

Ich glaube, finanzielle Unabhängigkeit bedeutet für jeden etwas anderes. Ich definiere sie so: Ich bin in der Lage, unabhängige finanzielle Entscheidungen zu treffen und weiß genug, um mich nicht von Beratern über den Tisch ziehen zu lassen. Wenn ich das möchte, kann ich mich zum Beispiel von meinem Partner trennen, ohne finanziell vor dem Ruin zu stehen. Die Königsdisziplin ist dann, ein Einkommen aus einer oder mehreren passiven Quellen zu beziehen und davon leben zu können.

Das Thema Altersarmut kommt immer wieder zur Sprache. Sie sagen, Altersarmut sei vornehmlich weiblich?

Definitiv! Altersarmut ist weiblich. Das ist hinreichend belegt. Die, die sich am häufigsten drum kümmern müssten, die machen es halt nicht. Teils ist die Altersarmut politisch bedingt, teils sind wir aber auch selbst dafür verantwortlich. Im Grunde heißt das, dass wir im Alter nicht genug staatliche Rente bekommen, um die Basics wie Miete und Essen abzudecken. Frauen verdienen heute noch weniger als Männer und zahlen daher weniger in die Rentenkasse ein. Kindererziehung ist auch noch vornehmlich Frauensache und das Ehegattensplitting, das Steuerersparnisse bringt, wenn die Gehälter der Partner weit auseinanderliegen, erledigt den Rest, weil Frauen dann in der Regel die Karriere zurückschrauben oder ganz aufgeben. Im Falle der Trennung stehen sie dann ganz schön blöd da, weil sie ja nicht viel oder nichts in die Rentenkasse eingezahlt haben.

Ist das Modell „Das macht mein Mann“ wirklich noch aktuell?

Leider ja. Ich kenne das Modell persönlich nicht, aber das gibt es noch viel mehr als man denkt. Das finde ich schockierend. Ich bekomme viele E-Mails, bei denen ich fast vom Stuhl kippe. Diese Woche habe ich diese E-Mail bekommen: „Mein Mann verbietet mir, mich finanziell zu bilden.“ Sie hatte einen Online-Kurs bei mir gebucht und ihr Mann wollte, dass sie ihn zurückgibt, weil er anscheinend Angst hatte, dass sie sich finanziell ruiniert. Damit bleibt sie von ihm finanziell abhängig.

Ich möchte aber auch nicht den Männern die Schuld geben. Wir Frauen geben die finanzielle Verantwortung auch oft ab, zum Beispiel aus mangelndem Selbstvertrauen, Cinderella-Komplex oder einfach aus Unwissenheit heraus. Und dann haben wir noch die Anfang 20 oder Anfang 30jährigen. Forschungsergebnisse zeigen, dass sie häufig wieder zurück in alte Rollenbilder fallen.

Die Sozialisierung spielt eine sehr große Rolle. Wir tappen gerne in die Pink-Blau-Falle: Jungs werden anders erzogen als Mädchen. Jungs sollen das Klettergerüst hochklettern – je höher, desto besser. Mädchen sollen eher vorsichtig sein und Sandkuchen backen. Später heißt das dann: Der eine bringt das Geld nach Hause, die andere nicht – das klassische Rollenbild. Hinzu kommen falsche Glaubensätze wie „Finanzen sind Männersache“, „es gehört sich nicht für Frauen viel Geld zu haben“ oder „wenn ich zu viel verdiene, will mich kein Mann mehr haben.“ Ich kenne keinen Mann, der so denkt.

Welches Verhältnis zu Geld sollte man als Frau dann haben?

Man sollte Geld relativ neutral betrachten. Zunächst einmal ist es nichts anderes als ein Versprechen. Ich gehe davon aus, dass ich mit meinem 20-Euro-Schein beim Bäcker Brötchen bekomme. Ein hoher oder niedriger Kontostand ist erst einmal nichts Gutes oder Böses. Geld ist ja nicht schuld an irgendetwas und es verdirbt auch nicht den Charakter. Was wir mit dem Geld machen, liegt nur an uns und somit in unserer Verantwortung.

Um Geld anhäufen zu können, muss ich Geld gegenüber positiv gestimmt sein. Da sind wir beim Thema Energie. Es gibt da eine gegenseitige Anziehungskraft. Stehe ich Geld positiv gegenüber, dann werde ich alles dafür tun, damit ich es bekomme. Und wenn ich etwas Positives damit bewirken möchte, dann überlege ich mir zum Beispiel, zu spenden. Denn Geld macht nicht glücklich. Dieses Sprichwort stimmt. Aber wir können es dafür nutzen, um uns glücklich oder zumindest sorgenfreier zu machen.

Eine gute Übung ist das Sorgentagebuch. Ich schreibe für 30 Tage alles auf, was mir Sorgen macht. Dann frage ich mich: Welche dieser Sorgen würden mit Geld gelindert. Das werden einige sein. Natürlich macht Geld zum Beispiel nicht gesund, aber ich kann mir davon die beste Medizin kaufen. Diese Einstellung braucht man, wenn man abgesichert sein möchte.

Was ist heutzutage sinnvoll, um finanziell abgesichert zu sein?

Wenn wir ganz vorne anfangen, dann sollte jede Frau ein eigenes Konto haben. Hätten wir das schon erreicht, wären wir ein gutes Stück weiter als heute. Wir können uns dann einen eigenen Notgroschen ansparen für unvorhergesehene Ereignisse wie Krankheiten oder einfach nur eine kaputte Waschmaschine.

Dann ist ein Grundsicherheitsbaustein fürs Alter sinnvoll – zum Beispiel eine eigene private Rentenversicherung. Wer den Turbo richtig anschmeißen will, der sollte sich mit dem Thema-Aktien beschäftigen, weil dann die Vermehrungsmaschine angeschmissen wird. Historisch betrachtet  bringen Aktien durchschnittlich acht Prozent plus pro Jahr ein. Klar bergen sie aber auch immer ein Risiko. Wir sollten uns vorher überlegen: Wieviel Geld kann ich investieren und wieviel kann ich mir leisten zu verlieren. Wir dürfen natürlich kein Geld investieren, das wir zum Zeitpunkt X brauchen. Wer nicht nur ein bisschen „spielen“ und spekulieren möchte, benötigt einen langen Atem. Wir reden von rund 15 Jahren. Dann sinkt das Risiko signifikant, mit einem Verlust rauszugehen.

Sparen im Sinne von Geld aufs Konto zu legen, macht heute bei den aktuellen Zinssätzen keinen Sinn mehr. Unsere Eltern konnten sich mit Zinsen von um die sieben oder acht Prozent noch reich sparen. Heute wird das Geld auf dem Konto oder unter dem Kissen wegen der Inflation jedes Jahr weniger. Wer aber spart, im Sinne von weniger Geld ausgeben, der kann davon natürlich profitieren, zum Beispiel, wenn er das Gesparte sinnvoll investiert.

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